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Mythos Röstigraben

Haben Sie ihn schon einmal gesehen? Oder sogar überquert? Der Röstigraben ist ein Schweizer Mythos. Er trennt die Romandie von der Deutschschweiz und nährt sich aus vielen Klischees. Er erscheint uns bisweilen unüberwindbar.

Dabei hat der Austausch zwischen der deutschen und französischen Sprache eine lange Tradition. Sprachaufenthalte für Jugendliche aus der Romandie und aus der Deutschschweiz sind seit dem 17. Jahrhundert belegt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts herrscht eine regelrechte Frankomanie und fördert Begegnungen über die Sprachgrenze hinweg.  

Der 1848 gegründete Bundesstaat demonstriert Geschlossenheit: Es gibt eine einheitliche Währung und einen nationalen Feiertag am 1. August. Die Landessprachen werden in der Verfassung verankert.

Angesichts der deutsch-französischen Konflikte kommt es auch zu Spannungen zwischen den Schweizer Sprachgemeinschaften. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kämpft sowohl die West- als auch die Deutschschweizer Elite für die Bewahrung ihrer Sprache. Der erste Weltkrieg ist der Höhepunkt der Krise. Die Romandie unterstützt Frankreich, die Deutschschweiz das Deutsche Kaiserreich. Die Schweiz entgeht nur knapp einer Spaltung.

Heute ist der Röstigraben nach fast jedem Abstimmungswochenende ein Thema. Meinungsverschiedenheiten und Gemeinsamkeiten werden genau analysiert. Auch Karikaturen sind ein hervorragendes Barometer für die Stimmung zwischen den beiden Landesteilen. Es gibt in der Schweiz aber weitere «Gräben»: zwischen Stadt und Land, zwischen dem Mittelland und den Bergregionen oder Regionen mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen.

Hersteller/-in / Künstler/-inCaro
GegenstandKarikatur
TitelDer Röstigraben
Datierung2022
MaterialDispersion
TechnikWandmalerei
Eigentümer/-inNMB Neues Museum Biel

Liebe Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer, haben Sie schon einmal von der Comic-Figur Titeuf gehört? Und Sie, liebe Romands und Romandes, kennen Sie das Kasperli-Theater?

Die beiden Seiten des Röstigrabens sprechen miteinander, verstehen sich, lieben sich … Aber ohne Gewähr! Das Wandgemälde der Karikaturistin Caro thematisiert auf scharfsinnige Weise die kulturellen Unterschiede zwischen Deutsch- und Französischsprachigen. Ihre Figuren können aber durchaus auch über die Rösti klettern.

Wenn Sie Biel besuchen oder sogar in Biel wohnen, werden Sie wahrscheinlich alle möglichen Facetten des Röstigrabens kennenlernen.

Nach den Charakteren von Tim&Struppi, Manu, Titeuf, Asterix, Kasperli, Globi.

TitelGräben sind nicht immer dort, wo man sie erwartet
Datierung2022
Eigentümer/-inNMB Neues Museum Biel
© Bundesamt für Statistik, ThemaKart, Neuchâtel 2009–2021

Es gibt vier klassische Gegensätze: zwischen Säkularismus und Kirche, zwischen Stadt und Land, zwischen Arbeit und Kapital und zwischen Zentren und ihrem Umland. Solche «Gräben» gibt es nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa. Hierzulande öffnen sie sich vor allem bei folgenden Themen: beim Naturschutz, bei der Frage, wie offen das Land gegenüber dem Ausland sein soll, und bei der Rolle des Staates in Sozial-, Wirtschafts- und Finanzfragen.

Hier ein Überblick über entsprechende Volksabstimmungen.

Hersteller/-in / Künstler/-inSIFON, Biel
GegenstandVideo
TitelLustige und doch ernst gemeinte Geschichte des Röstigrabens
Datierung2022
Eigentümer/-inNMB Neues Museum Biel

Bis zum Ersten Weltkrieg ist die Schweiz das europäische Land mit der grössten Anzahl satirischer Zeitschriften pro Einwohnerin und Einwohner. Ein paar Beispiele: Der Postheiri: llustrierte Blätter für Gegenwart, Öffentlichkeit und Gefühl (Solothurn, 1845–1875), Le carillon de St-Gervais (Genf, 1854–1899), Der neue Postillon. Humoristisch-satirisches Monatsblatt der schweizerischen Arbeiterschaft (Zürich, 1895–1914), L’arbalète (Lausanne, 1916–1917), Der Nebelspalter (ab 1895), Vigousse (ab 2009).

Ob liberal oder linksradikal: Sie alle geniessen eine grosse Meinungsfreiheit.

An Karikaturen lässt sich deshalb genau ablesen, wie es um die Beziehung zwischen der Romandie und der Deutschschweiz steht. Mit Humor und Schärfe thematisieren die Karikaturistinnen und Karikaturisten die Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschschweizern und Romandes. Satire und Humor können Klischees befeuern, gleichzeitig aber auch gegenseitige Vorurteile abbauen. Übrigens: Wenn dieser berühmte Graben schon aus Rösti besteht, dann sind die Unterschiede sicher schmackhaft! 

Hersteller/-in / Künstler/-inPaul Langhans, Emil Garraux und Eduard Blocher
GegenstandKarte der Westschweiz, 1:500’000 (Faksimile)
TitelDie Westschweiz mit deutscher Ortsbenennung
Datierung1907
Eigentümer/-inSchweizerische Nationalbibliothek

Paul Langhans, Emil Garraux und Eduard Blocher (Grossvater von SVP-Politiker Christoph Blocher) veröffentlichen diese Karte, auf der die Gemeinden in der Romandie mit ihren alten alemannischen Namen angeschrieben sind: Losanen für Lausanne, Muchtern für Montreux oder Sankt-Leodegar für Saignelégier.

Nur die Stadt La Chaux-de-Fonds scheint nie einen deutschen Namen gehabt zu haben.

Im Jahr 1900 verzeichnen die Statistiken einen Rückgang der Deutschsprachigen im ganzen Land um 1,6 Prozent. Sprache und Kultur sind Auslöser kontroverser Diskussionen zwischen der französisch- und der deutschsprachigen Elite. Es wird über Rasse, Nation, Kultur und Identität debattiert.

Einer der Wortführer auf der deutschsprachigen Seite ist der Deutschschweizerische Sprachverein, der unter anderem von Eduard Blocher gegründet wird. Auf der anderen Seite positioniert sich die in Neuenburg gegründete Union romande. Beide heizen den Sprachkonflikt an – und werfen sich dies gegenseitig vor.

Der Verein für die deutsche Sprache setzt sich zum Ziel, gegen die Romanisierung der Deutschsprachigen im Jura und im Wallis zu kämpfen. Die Union befürchtet überall eine deutsche Welle, insbesondere im Jura. Die beiden Vereine veröffentlichen ihre Ideen in ihren Zeitschriften Wissen und Leben und La voile latine.

Hersteller/-in / Künstler/-inCarl Jakob Durheim
GegenstandKarte des Kantons Bern, 1:750’000 (Reproduktion)
TitelCarte des Cantons Bern nach den II Sprachen nämlich Deutsch und Französisch eingetheilt
Datierung1844–1850
TechnikOriginal: Lithografie
Eigentümer/-inStaatsarchiv des Kantons Bern

Diese Karte des Kantons Bern zeigt die Verteilung der deutschen und französischen Sprache Mitte des 19. Jahrhunderts. Der französischsprachige Teil ist rot eingekreist. Er entspricht den sechs französischsprachigen Jurabezirken: Delémont, Franches-Montagnes, Porrentruy, Moutier, La Neuveville und Courtelary. Der deutschsprachige Teil ist blau umrandet. Die wichtigsten jurassischen Städte sind deutsch angeschrieben, ergänzt durch den französischen Namen in Klammern.

Die Sprachgrenze zwischen dem Norden und dem Süden scheint undurchlässig. Durch die Ankunft der Uhrmacherinnen und Uhrmacher aus dem Jura ab Mitte des 19. Jahrhunderts verändert sich allerdings die Sprachpraxis in Biel und Grenchen, den Zentren der Uhrenindustrie.

Auf der linken Seite der Karte finden sich die Namen der Gemeinden in Deutsch und Französisch.

Versuchen Sie, den deutschen Namen von Bassecourt oder den französischen Namen von Brüttelen zu erraten! 

GegenstandLandkarte des Bielersees, Zihl, Erlach. St.-Johansen und Grafschaften (Reproduktion)
DatierungUm 1650
Eigentümer/-inBibliothek am Guisanplatz BiG, Schauenburg-Sammlung

Im Gegensatz zu den beiden ausgestellten Karten des 19. und 20. Jahrhunderts ist um 1650 die Sprachgrenze für den Zeichner nicht von Bedeutung. Deutsch-französische Ortsnamen sind in der Dreiseen-Region damals gang und gäbe.

La mythique barrière de rösti

L’avez-vous déjà aperçue? Enjambée, peut-être? La barrière de rösti, également appelée «Röstigraben» des deux côtés de la Sarine, est un mythe suisse. Supposée séparer la Suisse romande de la Suisse alémanique, elle se nourrit de nombreux clichés et semble parfois infranchissable.

Les échanges entre les langues française et allemande ont cependant une longue tradition. Les séjours linguistiques destinés aux jeunes Romandes et Alémaniques sont attestés dès le 17e siècle. Une véritable francomanie s’est répandue vers la fin du 18e siècle en favorisant les rencontres au-delà de la frontière linguistique.

Fondé en 1848, l’État fédéral marque un tournant vers l’unité: une monnaie unique remplace toutes les autres et le 1er août est décrété fête nationale suisse. Les langues nationales sont ancrées dans la Constitution.

Les conflits franco-allemands ont cependant provoqué des tensions entre les communautés linguistiques de Suisse. Au début du 20e siècle, les élites tant francophones que germanophones luttaient pour la préservation de leur langue. La crise a atteint son point culminant à l’éclatement de la Première Guerre mondiale: la Suisse romande soutenait la France, la Suisse alémanique l’Empire allemand. Une scission fut évitée de justesse.

De nos jours, la question de la barrière de rösti est soulevée après chaque week-end de votation, ou presque. Les divergences d’opinion ainsi que les similitudes sont minutieusement scrutées. Les caricatures constituent également un excellent baromètre de l’ambiance entre les deux parties du pays. La Suisse connaît pourtant encore d’autres «fossés»: entre ville et campagne, entre Plateau et régions de montagne, ainsi que ceux creusés par des intérêts économiques divergents.

Producteur/productrice / artisteCaro
ObjetCaricature
TitreLa barrière de rösti
Datation2022
MatièreDispersion
TechniquePeinture murale
PropriétaireNMB Nouveau Musée Bienne

Qui ne connaît pas Titeuf, le célèbre personnage de bande dessinée? Mais les Romandes et les Romands connaissent-ils le théâtre de Kasper?

Des deux côtés de la barrière de rösti, on se parle, on se comprend, on s’aime… ou pas! La peinture murale de la dessinatrice de presse Caro évoque subtilement les différences culturelles entre francophones et germanophones. Ses personnages savent même franchir la barrière de rösti. Si vous visitez Bienne ou choisissez même de vous y établir, vous aurez sans doute l’occasion de découvrir toutes les facettes de la barrière de rösti.

D’après les personnages de: Tintin, Manu, Titeuf, Milou, Astérix, Kasperli, Globi.

TitreLes fossés ne sont pas toujours là où on les attend
Datation2022
PropriétaireNMB Nouveau Musée Bienne
© Bundesamt für Statistik, ThemaKart, Neuchâtel 2009–2021

Les quatre clivages classiques laïcité-église, ville-campagne, travail-capital, centre-périphérie ne s’observent pas qu’en Suisse, mais dans toute l’Europe. Chez nous, les fossés se creusent surtout dans trois domaines: la protection de la nature, l’ouverture de la Suisse face à l’étranger et le rôle de l’Etat en matière de politique sociale, économique et financière.

Voici un aperçu de votations populaires sur ces sujets.

Producteur/productrice / artisteSIFON, Bienne
ObjetVidéo
TitreHistoire drôle et néanmoins sérieuse concernant la barrière de rösti
Datation2022
PropriétaireNMB Nouveau Musée Bienne

Jusqu’à la Première Guerre mondiale, la Suisse était le pays d’Europe qui comptait le plus grand nombre de périodiques illustrés par habitant. En voici quelques exemples: Der Postheiri: llustrierte Blätter für Gegenwart, Öffentlichkeit und Gefühl (Soleure, 1845–1875), Le carillon de St-Gervais (Genève, 1854–1899), Der neue Postillon. Humoristisch-satirisches Monatsblatt der schweizerischen Arbeiterschaft (Zurich, 1895–1914), L’arbalète (Lausanne, 1916–1917), Der Nebelspalter (depuis 1895), Vigousse (depuis 2009).

A tendance libérale ou radicalement de gauche: tous jouissaient d’une grande liberté d’expression.

Les caricatures permettent ainsi de se faire une idée bien précise des relations entre Suisse romande et Suisse alémanique. C’est avec beaucoup d’humour et d’acuité que les dessinatrices et dessinateurs de presse pointent du doigt les divergences d’opinion entre les deux côtés de la Sarine. La satire et l’humour alimentent parfois les clichés mais, en même temps, ils permettent aussi d’éradiquer des préjugés. D’ailleurs, si la fameuse barrière se compose de rösti, alors les différences sont assurément savoureuses! 

Producteur/productrice / artistePaul Langhans, Emil Garraux et Eduard Blocher
ObjetCarte géographique de la Suisse romande, 1:500 000 (fac-similé)
TitreDie Westschweiz mit deutscher Ortsbenennung
Datation1907
PropriétaireBibliothèque nationale suisse

Paul Langhans, Emil Garraux et Eduard Blocher (le grand-père du politicien UDC Christoph Blocher) ont publié cette carte où les communes romandes sont désignées par leur ancien nom alémanique: Losanen pour Lausanne, Muchtern pour Montreux ou encore Sankt-Leodegar pour Saignelégier.

Seule la ville de la Chaux-de-Fonds semble ne jamais avoir eu de désignation en allemand!

En 1900, les statistiques font état d’un recul de 1,6% des germanophones sur le territoire national. Langues et cultures déclenchaient alors de vives controverses entre intelligentsia francophone et intelligentsia germanophone. L’on débattait des notions de race, de nation, de culture et d’identité.

Du côté alémanique, l’un des porte-parole en était le Deutschschweizerische Sprachverein, dont Eduard Blocher fut l’un des fondateurs. L‘Union romande, fondée à Neuchâtel, se positionnait de l’autre côté. Toutes deux attisaient le conflit linguistique – en se le reprochant mutuellement.

Le but des défenseurs de la langue allemande était de lutter contre la romanisation des germanophones du Jura et du Valais. Quant à l’Union, elle craignait l’omniprésence d’une marée allemande, notamment dans le Jura.

Les deux sociétés publiaient leurs idées dans leurs revues respectives, Wissen und Leben et La Voile Latine.

Producteur/productrice / artisteCarl Jakob Durheim
ObjetCarte géographique du canton de Berne, 1:750 000 (reproduction)
TitreCarte géographique du canton de Berne divisée par langues, l’allemand et le français
Datation1844–1850
TechniqueOriginal: Lithographie
PropriétaireArchives d’Etat du canton de Berne

Cette carte du canton de Berne est une projection de la répartition des langues française et allemande au milieu du 19e siècle. La partie francophone est entourée en rouge. Elle correspond aux six districts francophones du Jura: Delémont, Franches-Montagnes, Porrentruy, Moutier, La Neuveville et Courtelary. La partie germanophone est délimitée en bleu. Les noms des principales villes jurassiennes sont inscrits en allemand avec indication du nom français entre parenthèses.

S’il ne semble y avoir aucune porosité entre le nord et le sud de la frontière linguistique, l’arrivée des horlogères et horlogers en provenance du Jura dès le milieu du 19e siècle modifiera dans les faits la pratique des langues dans des centres horlogers tels que Bienne ou Granges.

Sur le côté gauche de la carte, les noms des communes sont relevés en allemand et en français.

Tentez donc de deviner le nom allemand de Bassecourt ou le nom français de Brüttelen! 

ObjetCarte géographique du lac de Bienne, Thielle, Cerlier. St.-Johansen et comtés (reproduction)
Datationvers 1650
PropriétaireBibliothèque de la place Guisan, collection Schauenburg

Contrairement aux deux cartes exposées des 19e et 20e siècles, la frontière linguistique était sans importance pour le dessinateur en 1650. Dans la région des Trois-Lacs, les toponymes franco-allemands étaient alors légion.