Graben Sie selber in den Sprachschichten rund um den Bielersee!
Eine kurze Erklärung gibt Auskunft über die Deutung und Herkunft der Ortsnamen. Dazu lässt eine kurze Liste mit den ältesten schriftlichen Nennungen alte Ortsnamen wieder erklingen.
Ist Ihre Gemeinde nicht aufgeführt? Auf ortsnamen.ch, dem Portal der schweizerischen Ortsnamensforschung, werden Sie sicher fündig.
Die Deutungen zu den Ortsnamen stammen überwiegend aus der Feder des Romanisten Dr. Andres Kristol, der zusammen mit seinem Team der Universität Neuenburg nach Jahre langen Recherchen das Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen verfasst und 2005 herausgebracht hat.
Biel – Bienne
Deutung
Die Sprachforschung ist sich ziemlich sicher, dass der Name Biel auf das keltische Wort belena zurückgeht, abgeleitet von Belenos, der keltischen Gottheit. Belenos selber wird heute mit gallisch belo- «stark, mächtig» in Verbindung gesetzt. Es ist gut möglich, dass Belena die «kräftig» fliessende Quelle bezeichnete, die die Stadt bis ins 19. Jahrhundert mit Wasser versorgt hat.
In den historischen Quellen sieht man sehr schön, wie aus dem gemeinsamen Bielna von 1142 später im Französischen der Buchstabe «l» und im Deutschen der Buchstabe «n» weggefallen sind.
Historische Quellen
1142: vineas apud Bielnam
1148: vineas de Bielno
1158/1160: Rodulfo de Belno
Ca. 1184: Bertholdus de Bielne
1217–1218: Beezna
1230: in urbe mea de Beuna
1234: in burgo de Biello
1254: prope Bielle
1258: villicus in Biena
1260: cives in Biele … Jacobus de Biel
1298: Hermanno de Bienna
Nidau
Deutung
Nidau gehört zu jenen Ortsnamen, die auf einen Flurnamen zurückgehen, in diesem Fall «die unterhalb gelegene Au». Dieser setzt sich zusammen aus den althochdeutschen Wörtern nida «unterhalb» und ouwa «Gelände am Wasser, sumpfiges Gelände».
Historische Quellen
1196: in castro meo Nidowe
1237–1238: Uol. de Nidowo
1239: Hermannus de Nydowe
1243: Uolricus de Nidowa
1267: in castro Nidua
1307: herre ze Nidouwe
1314: hern zu Nydau

Studen-Petinesca
Deutung
In römischer Zeit liegt am Ostende des Jensbergs – auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Studen – die Kleinstadt Petinesca. Ihr Name ist wohl gebildet aus dem lateinischen Personenname Petinius und der Endung -iscu: «(der Besitz) des Petinius». Petinesca ist vom 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. das politische, wirtschaftliche und religiöse Zentrum der Region. Am ende des 3. Jahrhunderts beginnt der Niedergang, bis die Ortschaft schliesslich mitsamt der Erinnerung an ihren Namen ganz verschwindet – überwachsen von Bäumen und Büschen.
Historische Quellen
Ca. 280: Petinesca
301–400: Petenisca
1257: in Studon
1258: ze Studon
1343: juxta villam Studon
1369: ze Studen

Bellmund – Belmont
Deutung
In diesem Fall ist die Erklärung naheliegend: Noch heute entspricht die französische Form dem ursprünglichen romanischen Belmont. Was wiederum vom latenischen bellum montem, der «schöne Berg», abstammt. Ein lokales Landschaftsmerkmal ist hier also am Ursprung des Ortsnamens. Anstatt die romanische Form ins Deutsche zu übersetzen wurde sie einfach leicht verändert entlehnt.
Historische Quellen
1107: apud Bellum-Montem
1228: Belmont
1289: incurati de Bellomonte
1382: villam de Pelmunt
1442: in belmond
1521: Zu Belmündt, Belmundt
1528: Bellmondt

Finsterhennen – Grasse-Poule
Deutung
Der deutsche Ortsname geht zurück auf eine mittelhochdeutsche Grundform ze den veisten hennen «bei den fetten Hennen». Eventuell geht der Name zurück auf eine jährliche Abgabe eines fetten Huhns an das Kloster St. Johannsen. In jüngerer Zeit wurde veisten in der Mundart zu feister «finster» umgedeutet. Der französische Ortsname Grasse-Poule ist aber noch eine wörtliche Übersetzung der ursprünglichen Form.
Historische Quellen
1212–1220: apud Bellum-Montem
1263–1264: apud Pinguem-gallinam
1345: de Grassa gallina
1453: zu der veisten hennen
1485: Veisserhennen … Feisserhennen
1519: Veister hennen
1782–1784: Finsterhennen

Treiten – Treiteron
Deutung
Der Ort liegt am Fusse eines auffälligen Felsbandes. Auch wenn es daher ziemlich als sicher gilt, dass der Orstname auf das romanische dreit «steil, senkrecht», bzw. das lateinische directu zurück geht, ist eine genaue Datierung nicht möglich. Es ist gut möglich, dass zwar schon die gallorömische Bevölkerung diesen Ort so beschrieben hat, diese Bezeichnung aber erst viel später auf einen neuen Weiler übergegangen ist.
Historische Quellen
851: villa … vocatur Treitun
1221: in villis de … Treiton
1225–1229: in Treitun
1345: itis in Treyton

Gampelen – Champion
Deutung
Gampelen gehört zur grossen Ortsanamen-Gruppe, die auf den lateinischen Begriff campus «Feld» zurückgeht. Als gemeinsamer Ursprung des deutschen und französischen Namens wird Campilone/Camplone, vom romanischen campile «in Wiese verwandelter Acker», vermutet. Über die Jahrhunderte entwickelt sich in der Westschweiz das C- zu Ch- und -pl- zu -pi-, im Deutschen wird das C- zu G-.
Historische Quellen
Vor 1000: Jampluns
1179: Champlun
Ca. 1225: Gamplunch
1229–1230: Kamplunc
1285: Champlon
1288: Gamplon

Cressier – Grissach
Deutung
Der Ortsname gehört wie Erlach/Cerlier zur grossen Gruppe von Namen, die heute in der Romandie auf -ier, -iez oder -y, in der Deutschschweiz auf -ach enden. Ursprung ist die gallorömische Endung -acum (keltisch -akos), die auf einen Ort hindeutet und einem Personennamen angehängt wird. Gemeint sind damit die ursprünglichen gallorömischen Besitzer landwirtschaftlicher Betriebe (lateinisch fundum). Im Fall von Cressier/Grissach handelt es sich um«das Landgut des Crixius», Crixiacum.
Historische Quellen
1179: Crissie
1185: allodium de Crissiaci
1217: apud Cressie
Ca. 1245: in Grissaco

Twann – Douanne
Deutung
Die Herkunft des Orstnamens erschliesst sich einem aus der französischen Form Douanne. Diese geht auf das keltische Wort dubus/dubis «schwarz» und die Endung -ona für Gewässer zurück: Dubona bedeutet «Schwarzwasser» und bezeichnete mit grosser Sicherheit den heutigen Twannbach. Der alte, lange mündlich überlieferte Name ist erst viel später auf die Ortschaft übergegangen.
Derselbe keltische Wortstamm findet sich auch in anderen Gewässernamen wie dem Doubs und auch die Taubenlochschlucht (Dubelochschlucht) verdankt ihm seinen Namen.
Historische Quellen
1136: Bertholdus itidem de Tuana predium
1185: vini domenorum de Duana
1225: Chono, dominus de Twanna, miles
1235: Chuno de Tvanno
1237: Chono, nobilis vir de Tuwanno … Rudolfus, plebanus in Tuwanne
1253: sub castro de Duane
1274: apud Tuannon
1278: versus aquam que dicitur Duanne
1287: in banno de Twanne
