WE.4

Menschen und Waren


Leuchtturmobjekt


Waren

Sklaverei

Diese Holzpresse dient dem Bedrucken von Baumwolltüchern zu sogenannten «Indiennes». Sie werden zuerst aus Indien importiert und revolutionieren den Textilhandel in Europa. Zwischen Mitte des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts befindet sich in diesem Gebäude hier eine auf diese Stoffe spezialisierte Manufaktur.

Die Baumwolle für die «Indiennes» stammt aus Indien, Amerika und der Karibik; die Farbstoffe kommen aus Indien oder Mittelamerika. Den Export dieser Bieler Stoffe übernehmen dann vor allem einflussreiche Händler wie Burckhardt in Basel.

Auch Bieler Know-how wird exportiert: In den 1760er-Jahren ziehen die Kinder von Benedicht Rother, Gründer der Bieler Manufaktur, nach Nantes. Abraham und Samuel Rother eröffnen dort die Rother & Cie. Ihre Schwester Suzanne heiratet Simon-Louis Petitpierre, der die gleichnamige Manufaktur leitet. Es ist belegt, dass die Rother-Geschwister in einen unmenschlichen Dreieckshandel verstrickt sind: An der afrikanischen Atlantikküste werden die «Indiennes» aus Nantes gegen versklavte Menschen getauscht. Diese werden nach Amerika deportiert und dort zur Arbeit auf Plantagen gezwungen. Die Schiffe kehren dann mit Kolonialwaren nach Europa zurück.

Der Rassismus, welcher der Ausbeutung von Millionen von Afrikanerinnen und Afrikanern zugrunde liegt, und die daraus resultierenden Stereotypen prägen unsere Gesellschaft noch immer.

GegenstandDruckstock
Datierung19. Jahrhundert
MaterialHolz
Eigentümer/-inNMB Neues Museum Biel

Dieser geschnitzte Holzdruckstock mit Blumenmotiven dient zum Bedrucken von Baumwolltüchern. Die Technik stammt ursprünglich aus Indien, wo sie seit Jahrhunderten praktiziert wird. Zuerst importiert Europa Indienne-Stoffe, doch allmählich übernehmen europäische Produzenten die Drucktechniken und stellen diese begehrten Textilien selbst her. In der Schweiz, insbesondere in Biel, entstehen Indienne-Manufakturen, nachdem Frankreich 1686 die Herstellung von Indienne verbietet. Französische Handwerker, oftmals Hugenotten, überqueren daraufhin die Grenze, um die Produktion fortzuführen. Die Bieler Manufaktur öffnet 1747 ihre Türen.

Nach der Aufhebung des Verbots 1759, wird wiederum das Bieler Know-how nach Nantes exportiert. Dort stellen bald Bielerinnen und Bieler Stoffe her, die an den afrikanischen Küsten gegen versklavte Menschen eingetauscht werden sollen.

Hersteller/-inVerdan & Cie
GegenstandMusterblätter und Musterbuch
Datierung19. Jahrhundert
Eigentümer/-inNMB Neues Museum Biel

Die Bieler Indienne-Manufaktur arbeitet hauptsächlich als Lohnbetrieb, das heisst sie erhält Aufträge von grösseren Manufakturen oder Händlern. In Musterblättern und -büchern präsentiert sie den Auftraggebenden ihre verschiedenen Motivangebote.

Zeichnerinnen und Zeichner entwickeln kontinuierlich neue Dekore und passen sich einem zunehmend globalisierten Geschmack an. Besonders kleine Blumenmuster erfreuen sich auf dem europäischen Kontinent, dem Hauptmarkt der Bieler Indiennerie, grosser Beliebtheit.

Hersteller/-inVerdan & Cie
GegenstandBrief [Faksimile]
Datierung1791
Eigentümer/-inSchweizerische Wirtschaftsarchiv
Hersteller/-inVerdan & Cie
GegenstandBrief [Faksimile]
Datierung1794
Eigentümer/-inSchweizerische Wirtschaftsarchiv

Diese beiden Briefe, die zwischen 1791 und 1794 von der Bieler Manufaktur Verdan an das Basler Handelshaus Burckhardt gehen, gewähren Einblick in das Bestellsystem der Bieler Manufaktur. Diese wendet sich an Händler und sendet ihnen Motivmuster zu, damit diese ihr Baumwollstoffe liefern und Druckaufträge erteilen.

GegenstandRohstoffe: Baumwolle, Kurkuma, Indigo, Cochenilleschildlaus, Gummi arabicum
Datierung21. Jahrhundert

Baumwolle wurde zunächst aus Indien importiert, später aber auch in der «Neuen Welt» angebaut – von versklavten Menschen, die zuvor an den afrikanischen Atlantikküsten gegen bedruckte Stoffe eingetauscht worden waren.

Auch verschiedene Farbstoffe werden importiert: Kurkuma und Indigo stammen aus Indien, wobei Indigo später auch in der Karibik von versklavten Menschen kultiviert wird.

Die Cochenilleschildlaus, ein Insekt, das auf mexikanischen Kakteen lebt, dient bereits den Azteken zum Färben ihrer Textilien in tiefem, leuchtendem Rot. Die spanischen Kolonialherren importieren die Farbe in Massen, indem sie zunächst die Ernten der einheimischen Bevölkerung konfiszieren und später Haziendas errichten, auf denen versklavte Menschen aus Afrika Zwangsarbeit verrichten.

Baumwolle
Kurkuma
Cochenilleschildlaus
Indigo
Hersteller/-inAug. Simon & Roques & Cie, Dubern & Cie, Rother & Cie, Veuve Daviez, Petitpierre frères & Cie, Gorgerat frères & Cie.
GegenstandMémoire pour les fabricants d’indiennes de la ville de Nantes [Faksimile]
Datierung1786
Eigentümer/-inChâteau des Ducs de Bretagne, Nantes

Dieses 1786 von den Indienne-Fabrikanten der Stadt Nantes verfasste Dokument hält fest, dass Bielerinnen und Bieler direkt an der Herstellung von Indiennestoffen beteiligt sind, die in Afrika gegen versklavte Menschen getauscht werden sollen. Die Kinder von Benedicht Rother, dem Mitbegründer der Bieler Indienne-Industrie, wandern nach Nantes aus, nachdem das Verbot der Indienne-Herstellung in Frankreich aufgehoben wird. Abraham und Samuel eröffnen dort die Fabrik Rother & Cie, während ihre Schwester Suzanne Simon-Louis Petitpierre heiratet, den Gründer der gleichnamigen Manufaktur. Die beiden Unternehmen, die das Dokument mitunterzeichnen, bitten den französischen König um Erlaubnis, minderwertige Baumwollstoffe zu importieren, um die Produktion für den Sklavenhandel zu steigern.

Hersteller/-inRené Lhermitte
GegenstandPlan «Profil et distribution du navire La Marie-Séraphique» [Faksimile]
Datierung1770
Eigentümer/-inChâteau des Ducs de Bretagne, Nantes

Dieser Plan des Schiffes «La Marie-Séraphique» ist die einzige bekannte authentische Darstellung, die den Transport versklavter Menschen auf den amerikanischen Kontinent illustriert. Das 1769 in Nantes gestartete Schiff legt in Louango an der zentralafrikanischen Küste an, um europäische Waren, darunter auch Indiennestoffe, gegen Menschen zu tauschen, die bei Razzien zwischen rivalisierenden afrikanischen Königreichen gefangen genommen werden.

Der Handel vor Ort dauert drei bis sechs Monate, wobei durchschnittlich zwei bis drei Käufen von versklavten Personen pro Tag getätigt werden. Die Atlantiküberquerung nach Santo Domingo nimmt etwa zwei Monate in Anspruch; an Bord brechen häufig Revolten aus. Das Schiff kehrt anschliessend mit Zucker und Kaffee beladen nach Nantes zurück.

Genau für solche Expeditionen werden Indiennestoffe verwendet, die in den von Bielerinnen und Bielern gegründeten Manufakturen in Nantes hergestellt werden.

GegenstandTransparent
Datierung2020
MaterialKissenbezug aus Baumwollstoff
Eigentümer/-inNMB Neues Museum Biel

Die Versklavung und die erzwungene Migration von über 12 Millionen Afrikaner:innen im Rahmen des transatlantischen Dreieckshandels zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert wirken bis heute nach. Ein Plakat, das bei der Demonstration in Biel am 5. Juni 2020 gezeigt wurde, erinnerte daran. Die Demonstration war eine Reaktion auf den Mord an George Floyd, einem afroamerikanischen Mann, der am 25. Mai desselben Jahres in Minneapolis von der Polizei getötet wurde. Die weltweite Empörung über diesen Mord machte die tief verwurzelten Ungerechtigkeiten und den Rassismus sichtbar, denen Menschen mit afrikanischer Abstammung ausgesetzt sind – auch in Biel.

In einem Videointerview erklärt Olga Madjinodji, die die Demonstration am 5. Juni eröffnet hat, die Hintergründe dieser Diskriminierungen und zeigt die Verbindung zum transatlantischen Sklavenhandel auf.

Hersteller/-inDominik Kaboré, Amin Kelay
GegenstandFilm
TitelGespräch mit Olga Madjinodji
Datierung2025
Eigentümer/-inNMB Neues Museum Biel

In einem Videointerview spricht Olga Madjinodji, die die Black-Lives-Matter-Demonstration am 5. Juni 2020 eröffnet hat, über rassistische Diskriminierungen in der Schweiz und deren Verbindung zum transatlantischen Sklavenhandel.

Cette planche en bois servait à l’impression de toiles de coton appelées « indiennes ». D’abord importées d’Inde, elles ont révolutionné le commerce textile en Europe. Leur production s’y développe et la Suisse en devient un centre important. À Bienne aussi, une manufacture voit le jour. Entre le milieu du 18e et le début du 19e siècle, le bâtiment où vous vous trouvez abritait une indiennerie.

La fabrication des indiennes repose sur un vaste réseau d’échanges. Le coton provient d’Inde, puis des Amériques et des Caraïbes ; les colorants, d’Inde ou encore des Amériques. Les productions biennoises sont ensuite vendues, probablement en Europe, entre autres par le biais de négociants influents, comme la famille Burckhardt à Bâle.

Le savoir-faire biennois s’exporte également : dans les années 1760, les enfants de Benedicht Rother, fondateur en 1747 de la manufacture de Bienne, s’installent à Nantes. Abraham et Samuel Rother y créent la société Rother & Cie. Leur sœur Suzanne épouse Simon-Louis Petitpierre, à la tête de la manufacture éponyme. La fratrie est impliquée dans un commerce triangulaire inhumain : sur la côte atlantique africaine, les indiennes fabriquées à Nantes sont échangées contre des personnes réduites en esclavage. Celles-ci sont déportées en Amérique, où elles sont contraintes de travailler dans les plantations. Les navires rentrent ensuite en Europe chargés de denrées coloniales.

Aujourd’hui encore, le racisme ayant permis de justifier l’exploitation de millions d’Africain·e·s et les stéréotypes qui en découlent continuent de marquer notre société.

ObjetPlanche de bois pour impression
Datation19ème siècle
MatièreBois
PropriétaireNMB Nouveau Musée Bienne

Cette planche de bois sculpté de motifs floraux servait à imprimer des toiles de coton. Cette technique, originaire d’Inde, y est pratiquée depuis des siècles. Si les Européens importaient d’abord ces tissus, ils ont peu à peu adopté les méthodes d’impression pour les reproduire localement. En Suisse, notamment à Bienne, des manufactures d’indiennes apparaissent après l’interdiction de leur production en France en 1686. Des artisans français, souvent huguenots, franchissent alors la frontière pour continuer la production. La manufacture biennoise ouvre en 1747.

Après la levée de la prohibition en 1759, le savoir-faire biennois s’exporte à son tour à Nantes, où des Biennois et Biennoises produisent des toiles destinées à être échangées, sur les côtes africaines, contre des personnes esclavagisées.

Producteur/productriceVerdan & Cie
ObjetFeuilles et livre d’échantillons
Datation19ème siècle
PropriétaireNMB Nouveau Musée Bienne

La manufacture d’indiennes de Bienne produit principalement « à façon », c’est-à-dire que des manufactures plus importantes ou des négociants lui confient des commandes. Ces feuilles et ce livre d’échantillons permettent de présenter aux commanditaires les différents motifs proposés par l’atelier.

Des dessinateurs et dessinatrices conçoivent en permanence de nouveaux décors, cherchant à s’adapter à un goût qui se globalise. Les petites fleurs, en particulier, sont alors très en vogue sur le continent européen, principal marché de l’indiennerie biennoise.

Producteur/productriceVerdan & Cie
ObjetLettre [fac-similé]
Datation1791
PropriétaireArchives Economiques Suisses
Producteur/productriceVerdan & Cie
ObjetLettre [fac-similé]
Datation1794
PropriétaireArchives Economiques Suisses

Ces deux lettres, envoyées entre 1791 et 1794 par la manufacture Verdan de Bienne à la maison de négoce Burckhardt à Bâle, donnent un aperçu du fonctionnement du système de commande de la manufacture biennoise. Celle-ci s’adresse à des négociants, leur envoie des échantillons de motifs, afin qu’ils lui fassent parvenir des toiles de coton et lui passent commande pour leur impression.

ObjetMatières premières : coton, curcuma, indigo, cochenille, gomme arabique
Datation21e siècle

Le coton, dans un premier temps importé d’Inde, est ensuite aussi cultivé dans le «Nouveau Monde» par des personnes réduites en esclavage, elles-mêmes échangées auparavant contre des toiles imprimées sur les côtes atlantiques africaines.

Certains colorants sont aussi importés: curcuma et indigo viennent d’Inde, l’indigo étant ensuite cultivé aussi dans les Caraïbes par des personnes esclavagisées.

La cochenille, insecte vivant sur les cactus mexicains, était déjà utilisée par les Aztèques pour teindre leurs textiles d’un rouge profond et lumineux. Les colons espagnols en importent massivement, d’abord en exploitant les récoltes des populations locales, puis en créant des haciendas où des personnes esclavagisées originaires d’Afrique travaillent de force.

Coton
Curcuma
Cochenille
Indigo
Producteur/productriceAug. Simon & Roques & Cie, Dubern & Cie, Rother & Cie, Veuve Daviez, Petitpierre frères & Cie, Gorgerat frères & Cie.
ObjetMémoire pour les fabricants d’indiennes de la ville de Nantes [fac-similé]
Datation1786
PropriétaireChâteau des Ducs de Bretagne, Nantes

Ce mémoire, rédigé en 1786 par les fabricants d’indiennes de la ville de Nantes, établit que des Biennois·e·s étaient directement impliqué·e·s dans la production d’indiennes destinées à être échangées contre des personnes esclavagisées en Afrique. Les enfants de Benedicht Rother, cofondateur de l’indiennerie biennoise, émigrent à Nantes après la levée de l’interdiction de fabrication d’indiennes en France. Abraham et Samuel y ouvrent la fabrique Rother & Cie, tandis que leur sœur Suzanne épouse Simon-Louis Petitpierre, fondateur de la manufacture éponyme. Ces deux établissements, cosignataires du mémoire, sollicitent auprès du roi de France l’autorisation d’importer des toiles de coton de moindre qualité afin d’augmenter la production destinée à la traite.

Producteur/productriceRené Lhermitte
ObjetPlan «Profil et distribution du navire La Marie-Séraphique» [fac-similé]
Datation1770
PropriétaireChâteau des Ducs de Bretagne, Nantes

Ce plan du navire « La Marie-Séraphique » est la seule représentation authentique connue illustrant le transport de personnes esclavagisées vers le continent américain. Parti de Nantes en 1769, le navire accoste à Louango, sur les côtes d’Afrique centrale, pour échanger des marchandises européennes, dont des indiennes, contre des personnes capturées lors de razzias menées par des royaumes africains rivaux.

La traite sur place dure de 3 à 6 mois, avec une moyenne de 2 à 3 achats de personnes esclavagisées par jour. La traversée de l’Atlantique vers Saint-Domingue prend environ deux mois ; des révoltes éclatent fréquemment à bord. Le navire revient ensuite à Nantes chargé de sucre et de café.

Des indiennes produites dans les manufactures nantaises fondées par des Biennois·e·s ont servi à de telles expéditions.

ObjetPancarte
Datation2020
MatièreTaie d’oreiller en coton
PropriétaireNMB Nouveau Musée Bienne

L’esclavagisation et la migration forcée de plus de 12 millions d’Africain·e·s dans le cadre du commerce triangulaire (16e–19e siècle) continuent d’avoir des répercussions aujourd’hui. Cette pancarte a été utilisée lors de la manifestation biennoise du 5 juin 2020, organisée en réaction à la mort de George Floyd, un homme afro-américain décédé le 25 mai de la même année à Minneapolis lors d’une intervention policière. L’élan mondial suscité par ce meurtre a mis en lumière les injustices et le racisme auxquels les populations afrodescendantes sont confrontées, y compris à Bienne.

Dans un entretien vidéo, Olga Madjinodji, qui a ouvert la manifestation du 5 juin, revient sur ces discriminations et sur leur lien avec la traite des Africain·e·s.

Humains et marchandises


Objet phare


Marchandises

Esclavage

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Producteur/productriceDominik Kaboré, Amin Kelay
ObjetFilm
TitreEntretien avec Olga Madjinodji
Datation2025
PropriétaireNMB Nouveau Musée Bienne

Dans cette interview vidéo, Olga Madjinodji, qui a ouvert la manifestation Black Lives Matter du 5 juin 2020, revient sur les discriminations raciales en Suisse et sur leur lien avec la traite transatlantique.