Bielerinnen und Bieler können sich sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch an die Behörden wenden: Die Schalter der Stadt sind seit 1950 zweisprachig. Wer jedoch im Mittelalter oder in der Neuzeit die Gesetze verstehen oder die Politik mitbestimmen will, muss Deutsch können. Nur während der Besatzung der Napoleonischen Truppen von 1798 bis 1815 ist Französisch die alleinige Amtssprache.
Im Alltag lebt man die Zweisprachigkeit bereits deutlich vor 1950: Ab dem 18. Jahrhundert wird an den Schulen auch in Französisch unterrichtet. Mit dem Siegeszug der Uhrenindustrie ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird Französisch in Biel immer wichtiger – in Alltag und Politik. Die zugewanderten Uhrmacher gründen Zeitungen, Vereine und eigene Parteien: Bis heute ist die Parteienlandschaft Biels sprachpolitisch geprägt.
In den letzten 100 Jahren ist die Zweisprachigkeit das zentrale Erkennungs- und Identitätsmerkmal der Stadt Biel geworden. Im 19. Jahrhundert zeigt Biel noch einen starken Willen, die Sprache von Neuankömmlingen in Politik und Verwaltung zu integrieren – bei den Arbeitsmigrantinnen und -migranten der Nachkriegszeit aus Südeuropa und dem Balkan ist dies aber nicht mehr der Fall.
| Gegenstand | Verkehrsbüro Biel / Gemeinde Biel |
| [label-objet] | Broschüren |
| Titel | Willkommen in Biel |
| Datierung | 1969–1990 |
Seit 1969 erhalten Neuzuzügerinnen und -zuzüger von der Stadt eine Willkommensbroschüre. In dieser finden sie neben praktischen Informationen für den Alltag auch ein Selbstportrait ihres neuen Wohnortes. Die Zweisprachigkeit wird gleich in den ersten Zeilen erwähnt, was deren Bedeutung für die Stadt unterstreicht. Die ersten drei Auflagen der Broschüre (1969, 1971, 1982) erscheinen separat auf Deutsch und Französisch. Trotz Arbeitsmigration aus Südeuropa wird aus Kostengründen keine italienische und spanische Ausgabe realisiert. Der Sprachvielfalt trägt die Ausgabe von Anfang der 1990er dennoch Rechnung: Neben der gelebten Zweisprachigkeit wird nun auch die Vielfalt und das friedliche Zusammenleben von «11’000 Ausländern aus rund 80 Ländern» betont. Heute erhalten Zugezogene einen Flyer, der nicht explizit die Mehrsprachigkeit erwähnt, jedoch weiterhin die Vielfalt ins Zentrum rückt.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | ATC |
| Gegenstand | Postkarte |
| Titel | Schweizerisches Grütli-Zentralfest in Biel (1911) |
| Datierung | 1911 |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel |
Biel hat zwei sozialdemokratische Parteien: die deutschsprachige Sozialdemokratische Partei Biel (SP) und der frankophone Parti Socialiste Romand (PSR). Ihre Geschichte geht zurück ins 19. Jahrhundert. An ihrem Ursprung steht der 1838 in Genf gegründete Grütliverein, der ab 1849 in Biel vertreten ist. Dieser will die materielle Lage der Arbeiterschaft verbessern. In Biel verfügt er bald über eine deutsch- und eine französischsprachige Sektion. Ideell vereint, aber sprachlich getrennt ist die Linke Biels auch in Kulturvereinen aus dem Umfeld des Grütlis. Dazu gehören zum Beispiel die Arbeiterchöre. In den Gewerkschaften sind die Sprachgruppen hingegen zusammen.
1923 wird aus dem Grütliverein die Sozialdemokratische Volkspartei der Schweiz. Seit 2017 bilden die SP und der PSR im Bieler Stadtrat zwei getrennte Fraktionen. Taktische Überlegungen wie längere Redezeiten bei den Debatten spielen dabei gewiss eine Rolle. Inhaltlich tauchen jedoch wie auf nationaler Ebene Differenzen zwischen den Sprachgruppen auf. Die Geschichte der beiden Bieler sozialdemokratischen Parteien steht exemplarisch für die Bedeutung der Sprachen in der Parteienlandschaft Biels.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Ernst Schüler |
| Gegenstand | Cartel / Wanduhr |
| Datierung | 1846 |
| Material | Metall, Buntmetall, Holz |
| Technik | Uhrmacherei |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel |

Diese prächtige Wanduhr stammt aus dem Uhrmacheratelier von Ernst Schüler in Biel. Sie ist ein frühes Erzeugnis der um 1840 noch wirtschaftlich unbedeutenden Bieler Uhrenindustrie. Die einstmals blühende Bieler Textilindustrie ist am Ende. Die Stadt Biel sucht nach einer Ersatzindustrie. Mit Hilfe von steuerlichen Anreizen gelingt es, Uhrmacher und Uhrenfabrikanten aus dem Jurabogen nach Biel zu holen.
Bereits 1860 arbeiten rund 800 Menschen in der Bieler Uhrenindustrie. Die Einwohnerzahl Biels schnellt von gut 5000 (1846) auf knapp 30’000 (1900). Der Anteil an Französischsprachigen wächst in diesem Zeitraum von 10 auf 30 Prozent. Die meisten Zuzüger und Zuzügerinnen sprechen Französisch bzw. Patois.
Ernst Schüler gilt heute als geistiger Vater der Bieler Uhrenindustrie, da die Idee mit den Steueranreiz auf ihn zurückgeht. Der Deutsche, der als politscher Flüchtling nach Biel kam, verlässt die Uhrenbranche und wird Posthalter, Drucker und Verleger. Er setzt sich für den Eisenbahnanschluss Biels und für die Förderung des Tourismus in Biel ein.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Municipalité du Canton de Bienne |
| Gegenstand | Polizeireglement (Faksimile) |
| Titel | Polizeireglement für die Gemeinden des Kantons Biel |
| Datierung | 1798 |
| Eigentümer/-in | Stadtarchiv Biel |
Während der Zeit der französischen Revolution gewinnt in Biel die französische Sprache an Bedeutung. Zwischen 1798 und 1813 ist sie gar die einzige Amtssprache im neu gegründeten Bezirk «Canton de Bienne», der von Frankreich aus während 15 Jahren verwaltet wird.
Die Umstellung auf die französische Amtssprache stellt in Biel keine grosse sprachliche Hürde dar. Sowohl die politische Elite als auch die Handwerker pflegen enge Beziehungen mit den frankophonen Gebieten des ehemaligen Fürstbistum Basel und Frankreich. Die neuen Bestimmungen aus Porrentruy oder Paris stossen aber auf Widerstand. Biel muss als Nachschubposten der französischen Truppen tausende Soldaten beherbergen. Diese trinken, plündern und vergewaltigten. Die Gemeindebehörden der Municipalité de Bienne erlassen eine Reihe von Polizeidekrete, um Herr der Lage zu werden. Diese verbieten den «Citoyens» neben der Verschmutzung der Brunnen und der Abfallentsorgung in den Strassen auch die Nutzung von Schusswaffen und Menschenansammlungen in der Nacht.
Alle Erlasse der Stadt Biel erscheinen während der Besetzung nur in Französisch. Jene für die umliegenden, mehrheitlich deutschen Gemeinden sind zweisprachig verfasst. Sie gehören ebenfalls zum Bezirk «Canton de Bienne».
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Christoph Müller / Präsidialamt Stadt Biel |
| Gegenstand | Bericht (Kopie) |
| Titel | Zweisprachigkeit in Biel |
| Datierung | 1986 |
| Eigentümer/-in | Stadt Biel |

Seit den 1970er-Jahren erforschen Linguisten in Biel das Zusammenleben der Sprachen. Auch der Gemeinderat will eine «Standortbestimmung der Bieler Zweisprachigkeit» erarbeiten. Damit beauftragt er den Soziologiestudenten Christoph Müller der Universität Zürich. Er befragt 440 Bielerinnen und Bieler mit deutscher und französischer Muttersprache. In Biel leben laut der Studie die Sprachgruppen mehr nebeneinander als miteinander: «[…] Es wurde festgestellt, dass das Aushängeschild Biels, die Zweisprachigkeit, vom grössten Teil der Befragten gar nicht gelebt, sondern bloss zur Kenntnis genommen wird. Die Kontakte zwischen Deutschschweizern und Romands beschränken sich meistens auf alltägliche und oberflächliche Begegnungen, etwa beim Einkaufen oder bei der Arbeit. Zwar kommt es auch in den Vereinen zu Kontakten, doch gibt es nur wenige mehrsprachige Vereine.»
Auch die Schulen bereiten laut der Studie die Kinder nicht auf das Zusammenleben in der Stadt vor, da der Unterricht in sprachlich getrennten Klassen durchgeführt wird. Zudem lernen die französischsprachigen Kinder in der Schule Hochdeutsch statt Dialekt. Dies führe auch zu Benachteiligungen später auf dem Arbeitsmarkt.
Die Ergebnisse der Studie passen nicht zum Selbstbild Biels als bilinguale Vorzeigestadt. Wohl aus diesem Grund veröffentlicht der Gemeinderat die Resultate nicht und schubladisiert die Studie. Längerfristig löst Müllers Bericht jedoch ein Umdenken in der Politik aus. Die Erkenntnis setzt sich allmählich durch, dass ein gutes Zusammenleben beider Sprachgruppen gepflegt und auch gefördert werden muss. Als eine der Folgen wird 1996 das Forum für die Zweisprachigkeit gegründet. Im Geiste des Berichts Müller befragt die Bieler Institution alle acht Jahre die Bielerinnen und Bieler zum Thema Zweisprachigkeit und Identität.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Cercle Démocratique Romand de Bienne / C. Schweizer & Co. |
| Gegenstand | Heft / Broschüre |
| Datierung | 1903 |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel |
Die heutige Bieler Partei Parti Radical Romand (PRR) geht auf den Verein Cercle Démocratique Romand de Bienne zurück. Politisch stammt der Cercle aus der Freisinnig-Demokratische Partei (FDP). Diese gibt im Schweizer Bundesstaat von 1848 den Ton an. In Biel ist sie seit den 1830er- Jahren mit mehreren Vereinen vertreten.
1871 entsteht die Sektion des Bernischen Volksvereins als Dachorganisation der Freisinnigen in Biel. Obwohl es somit in Biel bereits eine gefestigte freisinnige Partei- und Vereinsstruktur gibt, gründen frankophone Freisinnige 1872 mit dem Cercle einen neuen politischen Verein. 1874 tritt er bei den Stadtratswahlen an und gewinnt erste Sitze für die Frankophonen.
Auch in der Folge gehen die beiden freisinnigen Parteien getrennte Wege, zumindest organisatorisch. Seit 2017 bilden die deutschsprachigen und frankophonen freisinnigen Abgeordneten sogar zwei Fraktionen. Taktische Überlegungen wie längere Redezeiten bei den Stadtratsdebatten spielen dabei durchaus eine Rolle. Allerdings geht es dabei auch um unterschiedliche Positionen. Wie bei der Linken hat auch hier die Sprache Einfluss auf die politische Arbeit.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Christian Aguayo Corvalan, atelieravantgarde.ch |
| Gegenstand | Plakat |
| Titel | BIEL-BIENNE |
| Datierung | 2021 |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel |

| Hersteller/-in / Künstler/-in | Biel Stadt |
| Gegenstand | Urkunde (Faksimile) |
| Titel | Wahlbrief für den Stadtschreiber Jacob Malegorge |
| Datierung | 1500 |
| Eigentümer/-in | Stadtarchiv Biel |
Obwohl Deutsch im Mittelalter und in der Neuzeit die Amtssprache Biels ist, beherrschen die obersten Behörden auch Französisch. Gewisse Korrespondenz muss man in Französisch erledigen, so beispielsweise mit den Bewohnern der Landschaft Erguel (heute St-Imier-Tal). Biel verwaltet damals im Namen des Bischofs von Basel dieses angrenzende frankophone Gebiet. So hält bereits 1500 der Wahlbrief des Stadtschreibers Jakob Malegorge fest, dass der oberste Sekretär der Stadt sein Amt zweisprachig ausführen muss.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Biel Stadt |
| Gegenstand | Informationsblatt / Bekanntmachungsblatt |
| Titel | Die Filière Bilingue |
| Datierung | 2021 |

| Hersteller/-in / Künstler/-in | Präsidialamt Stadt Biel / Buchdruckerei der Jungen Schweiz |
| Gegenstand | Broschüren |
| Titel | Reglemente der Einwohner-Gemeinde der Stadt Biel |
| Datierung | 1835–2013 |
| Eigentümer/-in | Stadtarchiv Biel |
Die Reglemente sind so etwas wie die Verfassung der Stadt. An deren Entwicklung lässt sich ablesen, wie das Französische schrittweise zur Amtssprache aufgewertet wird. Das Reglement von 1836 enthält noch keine Bestimmungen zu den Sprachen. Auch dasjenige von 1874 weist keinen eigentlichen Sprachartikel auf. Einzig der Gemeinderatspräsident wird nun auch als «Maire» bezeichnet. Und es erscheint erstmals auch auf Französisch. Ab 1869 gibt es mit Elie Ducommun den ersten offiziellen Übersetzer der Stadt. Bei der Revision von 1920 wird festgelegt, dass die Gemeindereglemente sowohl auf Deutsch- als auch Französisch erscheinen müssen. Nur der deutsche Text ist allerdings rechtlich verbindlich. Erst mit der Gemeindeordnung von 1964 erhält das Französische den gleichberechtigten Status als Amtssprache. 1996 gibt es schliesslich einen eigentlichen Sprachartikel, der Französisch und Deutsch als gleichberechtigte Amtssprachen definiert.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Unbekannt |
| Gegenstand | Broschüren (Reproduktionen ) |
| Titel | Schulordnungen der Stadt Biel |
| Datierung | 1778, 1857, 1944, 2008, 2020 |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel / Stadtarchiv Biel |
Die Schulordnung von 1778 verändert das Bieler Schulwesen: Die Lateinschule wird erst zu einer Realschule und später zur Sekundarschule umgewandelt. Bereits 1747 wird dort ein fakultativer Französischunterricht eingeführt.
Obwohl Französischunterricht bald zum Lehrplan gehört, ist er für Schülerinnen und Schüler mit französischer Muttersprache nicht ausreichend. 1845 wird ein Gesuch zur Errichtung einer französischsprachigen Primarschule eingereicht. In der Verordnung von 1857 hält der Paragraf 26 den gemeinsamen Unterricht der Kinder beider Sprachen fest.
Mit der Schulordnung von 1944 werden auf jeder Schulstufe deutschsprachige und französischsprachige Klassen eingeführt. Das wird bis heute weitergeführt, wie das Reglement von 2008 mit dem Zusatzartikel 5 zeigt. Die Stadt Biel fördert die Zweisprachigkeit mit besonderen Massnahmen. Seit 2020 gibt es mit der Primarschule Filière Bilingue eine öffentliche Schule mit zweisprachigem Unterricht. Dabei wird zu gleichen Teilen auf Deutsch und Französisch unterrichtet.
| Gegenstand | Zitate |
| Material | XX |

Les Biennoises et les Biennois peuvent s’adresser à leurs autorités indifféremment en français ou en allemand: tous les guichets administratifs de la ville sont bilingues depuis 1950. Cependant, au Moyen Âge comme à l’époque moderne, la personne qui voulait comprendre les lois ou participer à la vie politique devait maîtriser l’allemand. Le français a été nommé seule langue officielle uniquement au cours de l’occupation par les troupes napoléoniennes, de 1798 à 1815.
Au quotidien, le bilinguisme était néanmoins une réalité bien avant 1950: des écoles proposaient un enseignement en français depuis le 18e siècle. Parallèlement à l’essor de l’industrie horlogère à partir de la seconde moitié du 19e siècle, le français prit de plus en plus d’importance à Bienne – dans la vie quotidienne et en politique. Les horlogers immigrés ont fondé des journaux, des associations et leurs propres partis politiques. Aujourd’hui encore, le paysage des partis biennois est marqué par la politique linguistique.
Ces cent dernières années, le bilinguisme est devenu le signe distinctif et identitaire central de Bienne. Au 19e siècle, Bienne exprimait encore la forte volonté d’intégrer la langue des nouveaux arrivants au sein de la politique et de l’administration – mais cela ne fut plus le cas pour les travailleuses et les travailleurs migrants de l’après-guerre venus du sud de l’Europe et des Balkans.
| Producteur/productrice / artiste | ATC |
| Objet | Carte postale |
| Titre | Fête Centrale du Grütli à Bienne (1911) |
| Datation | 1911 |
| Propriétaire | NMB Nouveau Musée Bienne |
Il existe deux partis socialistes à Bienne: le Sozialdemokratische Partei Biel (SP) et le Parti Socialiste Romand (PSR). Leurs histoires remontent au 19e siècle. Les deux partis sont issus de la Société du Grütli, fondée à Genève en 1838 et représentée à Bienne à partir de 1849. Le but de cette association était d’améliorer la situation matérielle des ouvriers. Des sections locales furent rapidement créées à Bienne, l’une germanophone et l’autre francophone. A Bienne, la gauche était réunie par la même idéologie, mais séparée par langue, également dans les associations culturelles proches du Grütli. Parmi celles-ci, l’on peut notamment citer les chorales ouvrières. Dans les syndicats, les groupes linguistiques sont en revanche réunis.
En 1923, la Société du Grütli devient la section biennoise du Parti socialiste suisse. Depuis 2017, le SP et le PSR constituent deux fractions distinctes au sein du Conseil de ville de Bienne. Des considérations stratégiques, telles que des temps de parole plus longs lors des débats, ont sans doute joué un certain rôle dans la décision. Sur le plan des contenus, il existe néanmoins certaines différences entre les groupes linguistiques, à Bienne comme au niveau national. L’histoire des deux partis socialistes biennois illustre de manière exemplaire l’importance des langues dans le paysage politique biennois.
| Producteur/productrice / artiste | Ville de Bienne |
| Objet | Acte (fac-similé) |
| Titre | Lettre d’élection pour le greffier Jacob Malegorge |
| Datation | 1500 |
| Propriétaire | Archives municipales de Bienne |
Bien qu’au Moyen-Âge et à l’époque moderne, la langue officielle de Bienne était uniquement l’allemand, les plus hautes autorités de Bienne ont des excellentes connaissance du français. Certaines correspondances devaient être réglées en français, par exemple avec l’Erguël voisin (aujourd’hui Vallon de St-Imier). En 1500, au moment de l’élection de Jakob Malegorge, originaire de Gléresse, au poste de chancelier de la ville, il est précisé qu’il doit être capable d’exercer ses fonctions dans les deux langues.
| Producteur/productrice / artiste | Ville de Bienne |
| Objet | Fiche d’information / bulletin d’annonce |
| Titre | La Filière Bilingue |
| Datation | 2021 |

| Producteur/productrice / artiste | Cercle Démocratique Romand de Bienne / C. Schweizer & Co. |
| Objet | Cahier / brochure |
| [label-titel] | Statuts du Cercle Démocratique Romand de Bienne |
| Datation | 1903 |
| Propriétaire | NMB Nouveau Musée Bienne |
L’actuel Parti Radical Romand (PRR) de Bienne est issu du Cercle Démocratique Romand de Bienne. Politiquement, celui-ci était une émanation du Parti radical-démocratique (PRD). Au sein de l’Etat fédéral suisse de 1848, c’était le parti dominant. A Bienne, il possède différentes représentations depuis les années 1830.
Une section du Bernischer Volksverein (Association populaire bernoise radicale) a été créée en 1871 comme organisation faîtière des radicaux de Bienne. Même s’il existait donc déjà une structure politique et associative radicale bien implantée localement, une nouvelle association politique francophone fut fondée en 1872, le Cercle démocratique romand de Bienne. Suite aux élections de 1874, il a permis à des francophones de faire leur entrée au Conseil de la ville.
Dès lors, les deux formations radicales ont suivi des voies séparées, du moins en matière d’organisation. Depuis 2017, les élus radicaux germanophones et francophones constituent même deux fractions distinctes. Des considérations stratégiques, telles que des temps de parole plus longs lors des débats au Conseil de ville, jouent sans doute un certain rôle à cet égard. Les positions défendues sont cependant parfois différentes. Comme pour la gauche, la langue exerce là aussi une influence sur le travail politique.
| Producteur/productrice / artiste | Municipalité du Canton de Bienne |
| Objet | Règlement de police (fac-similé) |
| Titre | Règlement de la police des communes du canton de Bienne |
| Datation | 1798 |
| Propriétaire | Archives municipales de Bienne |
Pendant la Révolution française, l’importance de la langue française à Bienne a considérablement augmenté. Entre 1798 et 1813, elle fut même la seule langue officielle du nouveau district «canton de Bienne», administré depuis la France pendant quinze ans.
Passer au français comme langue officielle ne fut pas très difficile à Bienne: tant l’élite politique que les artisans entretenaient déjà d’étroites relations avec les régions francophones de l’ancien Evêché de Bâle et la France. Cependant, les nouvelles prescriptions émanant de Porrentruy ou de Paris se heurtaient à des résistances. Bienne, qui faisait alors office de poste de ravitaillement pour les troupes françaises, a dû héberger des milliers de soldats qui buvaient, pillaient et violaient. Les autorités de la Municipalité de Bienne promulguèrent toute une série de décrets de police pour reprendre le contrôle. C’est ainsi qu’il était par exemple également interdit aux «citoyens», en plus de salir les fontaines ou de déposer des déchets dans les rues, d’utiliser des armes à feu et de se rassembler après la tombée de la nuit.
Pendant l’occupation, ces décrets de la ville de Bienne n’étaient publiés qu’en français, alors que ceux destinés aux communes environnantes, majoritairement germanophones, l’étaient dans les deux langues. Celles-ci étaient cependant également rattachées au district «canton de Bienne».
| Producteur/productrice / artiste | Christoph Müller / Administration communale de Bienne |
| Objet | Rapport (copie) |
| Titre | Le bilinguisme à Bienne |
| Datation | 1986 |
| Propriétaire | Ville de Bienne |
Des linguistes s’intéressent à la coexistence des langues à Bienne depuis les années 1970. De son côté, le Conseil communal souhaitait également obtenir une vision plus claire du bilinguisme à Bienne et commanda à cet effet une étude à un étudiant en sociologie de l’université de Zurich, Christoph Müller. Celui-ci interrogea 440 personnes de langue maternelle française et allemande. Selon cette étude, les groupes linguistiques vivent plutôt côte à côte qu’ensemble à Bienne: «[…] Nous avons constaté que l’étendard de Bienne, le bilinguisme, n’est nullement vécu par la plupart des sondés, qui en prennent simplement acte. Les échanges entre la population germanophone et francophone se limitent ainsi généralement à des contacts superficiels au quotidien, dans les magasins ou au travail par exemple. Certains contacts se créent à travers des associations, mais peu d’entre elles sont plurilingues.»
L’étude établissait également que l’école ne préparait guère les enfants au vivre-ensemble dans leur ville, du fait que l’enseignement s’effectue dans des classes séparées par langue. De plus, le fait que les élèves francophones apprennent l’allemand et non l’alémanique à l’école, représenterait par la suite un inconvénient sur le marché du travail.
Les constats ressortant de l’étude n’étaient donc pas conformes à l’image que Bienne se fait d’elle-même, celle d’une ville bilingue exemplaire. C’est sans doute la raison pour laquelle le Conseil communal renonça à les publier, et elle resta lettre morte. À plus long terme, le rapport de Müller a néanmoins suscité une prise de conscience dans les milieux politiques qui parvinrent à la conclusion qu’une bonne cohabitation entre les deux groupes linguistiques devait être encouragée et entretenue. La création du Forum du Bilinguisme en 1996 en est l’une des conséquences. Dans l’esprit du rapport Müller, cette institution effectue depuis tous les huit ans une enquête auprès des Biennoises et des Biennois sur le thème du bilinguisme et de l’identité.
| Objet | Administration communale de Bienne |
| [label-objet] | Brochures |
| Titre | Bienvenue à Bienne |
| Datation | 1969–1990 |



Depuis 1969, toute personne qui s’installe nouvellement à Bienne reçoit une brochure de bienvenue. En plus d’informations pratiques pour la vie quotidienne, celle-ci comporte également un portrait du nouveau lieu de domicile. Le bilinguisme y est abordé dès les premières lignes, ce qui souligne l’importance que la ville lui accorde. Les trois premières éditions de la brochure (1969, 1971, 1982) avaient été publiées séparément en allemand et en français. Pour des raisons de coûts, la Ville a dû renoncer à des éditions en italien et en espagnol, malgré une forte migration du sud de l’Europe. L’édition du début des années 1990 tient néanmoins compte de la diversité des langues: en plus du bilinguisme, elle souligne la cohabitation pacifique de 11’000 personnes issues de quelque 80 pays. Actuellement, les nouveaux arrivants reçoivent un dépliant qui ne se réfère plus explicitement au plurilinguisme, mais continue de mettre l’accent sur la diversité.
| Producteur/productrice / artiste | Administration communale de Bienne / Buchdruckerei der Jungen Schweiz |
| Objet | Brochures |
| Titre | Règlements de la commune des habitants de la ville de Bienne |
| Datation | 1835–2013 |
| Propriétaire | Archives municipales de Bienne |
Les règlements sont en quelque sorte la constitution de la ville. Leur évolution permet de retracer la valorisation progressive du français comme langue officielle. Dans le règlement de 1836, l’on ne trouve encore aucune disposition relative aux langues. Celui de 1874 ne comporte pas non plus d’article spécifiquement consacré à ce thème. Cependant, le président du Conseil communal y est également appelé «maire», et pour la première fois, il est aussi publié en français. En 1869, Elie Ducommun devint le premier traducteur officiel de la ville. Lors de la révision de 1920, il est décidé qu’à l’avenir, tous les règlements communaux devront être publiés aussi bien en français qu’en allemand. Cependant, seul le texte allemand faisait juridiquement foi. Il fallut attendre le nouveau règlement communal de 1964 pour que le français obtienne le statut de langue officielle à part entière. Et ce n’est qu’en 1996 qu’un véritable article linguistique ancre l’égalité de traitement entre le français et l’allemand.
| Producteur/productrice / artiste | Ernst Schüler |
| Objet | Cartel / horloge murale |
| Datation | 1846 |
| Matière | Métal, métal non ferreux, bois |
| Technique | Horlogerie |
| Propriétaire | NMB Nouveau Musée Bienne |
Ce superbe cartel est l’œuvre de l’atelier d’horlogerie Ernst Schüler à Bienne. Il fait partie des premières productions locales, l’industrie horlogère n’étant encore guère représentée à Bienne en 1840. Jadis florissante, l’industrie textile était alors en déclin et la ville de Bienne s’efforçait d’attirer des industries de substitution. Grâce à des avantages fiscaux, elle réussit à faire venir des horlogers et des manufactures horlogères de l’Arc jurassien.
En 1860, l’industrie horlogère occupait déjà environ 800 personnes à Bienne, dont la population était passée d’un peu plus de 5000 habitants en 1846 à quelque 30’000 en 1900. Dans le même temps, la proportion de francophones était passée de 10 à 30%. La plupart des personnes nouvellement établies parlaient en effet français ou patois.
Ernst Schüler est aujourd’hui considéré comme le père spirituel de l’industrie horlogère biennoise, du fait que l’idée de l’incitation fiscale lui revient. Réfugié politique de nationalité allemande, il se détourna par la suite de l’horlogerie pour devenir successivement postier, imprimeur et éditeur. Il s’était également engagé pour le raccordement de Bienne au réseau ferroviaire et la promotion touristique de la ville.
| Objet | Brochures (reproductions ) |
| Titre | Règlements scolaires de la ville de Bienne |
| Datation | 1778, 1857, 1944, 2008, 2020 |
| Propriétaire | NMB Nouveau Musée Bienne / Archives de la Ville de Bienne |
Le règlement scolaire de 1778 a modifié le système scolaire biennois: l’école latine a d’abord été transformée en enseignement aux exigences élémentaires puis, ultérieurement, en enseignement secondaire. Des cours de français facultatifs avaient déjà été introduits en 1747.
Même si l’enseignement du français a bientôt fait partie du programme, le niveau n’était pas suffisant pour les élèves de langue maternelle française. Une demande de création d’une école primaire francophone a été déposée en 1845. Le paragraphe 26 de l’ordonnance de 1857 stipule cependant que les enfants des deux langues doivent suivre un enseignement commun.
Il faudra attendre l’ordonnance de 1944 pour que des classes francophones et germanophones soient introduites à tous les niveaux. C’est encore le cas aujourd’hui, comme le précise l’article supplémentaire 5 du règlement de 2008. La Ville de Bienne encourage néanmoins le bilinguisme par le biais de mesures spécifiques. Depuis 2020, il existe une Filière Bilingue, une école primaire publique qui propose un enseignement dans les deux langues. Les cours dispensés en allemand et en français y sont répartis à parts égales.