«La coupole c’est le cœur de Bienne / Dis Härz schlot set öber 50 Johr in dere Stadt»: So wendet sich der Chessu – auf Französisch coupole – im Jahr 2021 an die Bielerinnen und Bieler, um Gelder für einen erneuten Um- und Erweiterungsbau zu erhalten. Die Geschichte des Kulturlokals im Gaskessel der ehemaligen Gaswerke der Stadt verläuft parallel zur gesellschaftlichen Entwicklung. Mehrere Generationen Jugendliche sind kulturell und politisch im Chessu geprägt worden.
Im Zuge der Kulturrevolution von 1968 fordert die Jugend ein autonomes Jugendzentrum (AJZ). Sie will Freiräume mit eigenen Inhalten und Regeln. Statt Symphoniekonzerte und Opern will sie eine Alternativkultur mit Strassentheater, Tanz, Folk und Punk. Später kommen Reggae, Dub, Black-Music, Free-Jazz, Rap, Hip-Hop und Breakdance dazu.
Selbstverwaltung, Autonomie (keine Polizeieinsätze im Chessu), Basisdemokratie und Antikapitalismus (kein Gewinn, unentgeltliche oder gleichbezahlte Arbeit): Die anarchistisch angehauchten Prinzipien des AJZ stossen bei der Bevölkerung oft auf Ablehnung – die links-revolutionären Schriften, die in der eigenen Druckerei «Commune Autonome» gedruckt werden, sowieso. Auch an der bunten Bemalung des ehemaligen Gaskessels und den Graffitis scheiden sich die Geister. Doch im Vergleich mit anderen Schweizer Städten gibt es in Biel mehr Toleranz und ein grösseres Verständnis für die Jugend.
Auch innerhalb des AJZ sind immer wieder Probleme und Krisen zu überwinden. Doch vielleicht ist der Chessu gerade deshalb nicht mehr aus Biel wegzudenken – gleich wie die daraus entstandenen sozialen Institutionen der Gassenküche und der Notschlafstelle «Sleep-In». Das Herz des ältesten autonomen Jugendzentrums der Schweiz wird wohl noch lange schlagen.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | AJZ Chessu |
| Gegenstand | Zeitung / Brief |
| Titel | Konzept eines autonomen Jugendzentrums für Biel zuhanden des Gemeinderats mit Begleitbrief |
| Datierung | 1968 |
| Eigentümer/-in | Archiv AJZ Biel |
Mit dieser Broschüre und dem Begleitbrief wendet sich die Bieler Jugend Ende 1968 an den Gemeinderat. Die jungen Leute fordern ein autonomes Jugendzentrum. Dazu unterbreiten sie der Bieler Stadtregierung konkrete Pläne zum Umbau des Gaskessels auf dem ehemaligen Gaswerkareal. Ihre Sprache ist sehr politisch und radikal: Sie kritisieren den Staat und den Kapitalismus heftig. Das entspricht dem Geist der 1968er-Bewegung.
Im gleichen Jahr münden ähnliche Forderungen der Jugend in gewaltsame Konfrontationen mit der Polizei – zum Beispiel in Paris (Pariser Mai) und Zürich (Globuskrawall). Nicht so in Biel: Obwohl es noch eine Zeit dauert, wird hier schliesslich das erste Autonome Jungendzentrum (AJZ) der Schweiz gegründet.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | AJZ Chessu / Druckerei Commune autonome |
| Titel | AJZ-Zeitung, Nr. 1 (März 1977) |
| Datierung | 1977 |
| Eigentümer/-in | Infoladen Chat Noir, Marianne |

| Hersteller/-in / Künstler/-in | Calypso Now / Druckerei Commune autonome |
| Gegenstand | Musikkassetten mit Booklet |
| Titel | Various – Stars On Cro2 |
| Datierung | 1983–1984 |
| Eigentümer/-in | Stadtbibliothek Biel-Bienne |
Auf den Musikkassetten sind Ausschnitte eines Konzerts mit Bieler Bands im Chessu von 1983 zu hören (Hörproben auf der nebenan stehenden Abspielstation). Veranstalter des Bieler Musikfestivals ist die Interessensgemeinschaft Bieler Musiker. Herausgeber der Tapes ist das Bieler Label «Calypso Now», das vom Musiker Rudi Tüscher geführt wird. Er ist besser bekannt unter dem Namen «Hotcha».
Calypso Now veröffentlicht zwischen 1983 und 1988 über 200 Tapes mit lokalen oder internationalen Bands. Durch sein breites internationales Netzwerk verschafft Hotcha Bieler Bands Zugang zu Hörerinnen und Hörern im Ausland. Andererseits bringt er Tapes mit den neuesten internationalen Musikrichtungen nach Biel. Sie werden unter anderem in den Bestand der Stadtbibliothek aufgenommen. Calypso now zählt zeitweise zu den einflussreichsten Schweizer Musiklabels für zeitgenössische Musik. Spasseshalber nennt man Hotcha deshalb auch den «Kassetten-Papst».
Die Herstellung von Tapes ist weitaus günstiger als jene von Vinyl-Schallplatten. Zur Gestaltung der Hüllen verwendet Calypso now häufig Alltags- und Abfallgegenstände, wie zum Beispiel das Zivilverteidigungsbuch, das an alle Haushalte versendet wird. Auch die Bands gestalten die Beilagen zum Tape häufig selber. Gedruckt wird in der Druckerei des AJZ, der Commune Autonome.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Debils / AJZ Chessu / CAJ Coupole / Druckerei Commune autonome |
| Gegenstand | Plakat |
| Titel | Konzertplakat «Bienne’s burning» |
| Datierung | 1981 |
Die Punkband Debils tritt im Vorfeld einer Disco mit Reggae, Punk und New-Wave auf. Die Musikrichtungen zeugen vom kulturellen Einfluss der englischen Musikszene. Die Veranstaltung findet unter dem Titel «Bienne’s burning» statt. Dieser nimmt direkten Bezug zum berühmten Song «London’s burning» der britischen Punkpioniere The Clash aus dem Jahr 1977.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Chris Debils |
| Gegenstand | Punkoutfit |
| Eigentümer/-in | Noël Saugy |
Das Outfit des Schlagzeugers der Bieler Band Debils verkörpert die Punk-Kultur. Diese beschränkt sich nicht auf die Musik, sondern erfasst alle Bereiche des Lebens. Aus finanziellen Gründen näht man sich die Kleider selber und orientiert sich dabei an der Punkszene Englands. Der Aufnäher mit dem Logo der linksterroristischen Organisation Rote Armee Fraktion (RAF) ist eine offene Provokation und soll die politischen Werte der Mehrheitsgesellschaft in Frage stellen. In der Stadt Biel befürchtet man damals, bewaffnete Gruppen wie die RAF oder der militärische Flügel der Befreiungsbewegung des Juras könnten auf das umfangreiche Waffendepot der Schweizer Armee in Biel zugreifen.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Debils / Teva Music |
| Gegenstand | Schallplatte |
| Titel | Debils (LP) |
| Datierung | 1981 |
| Eigentümer/-in | Noël Saugy |
Debils sind eine Bieler Punkband der ersten Stunde. Die Musiker stammen aus dem Arbeitermilieu. Sie sind autodidaktische Musiker und haben als Handlanger, Maurer, Kaminfeger, Verkäufer oder Lehrlinge ein kleines Einkommen. Entsprechend hoch sind für sie die Produktionskosten der Langspielplatte, die sich auf 7400 Franken belaufen. Ohne die persönlichen Verbindungen zum Aufnahmestudio Teva Music in Biel wären sie noch höher. Mit dem Verkauf lassen sich die Ausgaben nicht decken: Die Auflage liegt nur bei 500 Stück, und der Vertrieb entpuppt sich als schwierig. Auch die geplante internationale Konzerttournee findet nicht statt. Eine Punkplatte ist damals vor allem die Verwirklichung eines persönlichen Traums, der ziemlich viel kostet.
Musikalisch unterscheiden sich die Debils von den Zürcher und Genfer Punkbands. Ihre Musik ist weniger hart. Zudem singt eine Frau, abwechselnd in Französisch und Deutsch.
Debils spielen regelmässig in Biel, geben dazu ein paar Konzerte in anderen Orten der Schweiz. Nach knapp zwei Jahren und verschiedenen Mitgliederwechseln löst sich die Band auf. Kurz, aber furios: Das kommt bei Punkbands häufig vor. Auch exzessiver Konsum von Rauschmitteln und persönliche Dramen gehören zum Bandleben. Ganz nach dem Motto der englischen Punk-Bewegung: «No Future – keine Zukunft!»
Sie können ein paar Debils-Stücke auf der nebenan stehenden Abspielstation hören. Sie finden darauf auch einen Konzertmitschnitt des letzten Konzerts der Band in der Coupole 1982.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Eduzy Productions |
| Gegenstand | Flyer für eine Hip-Hop-Party im Chessu |
| Datierung | 1994 |
| Eigentümer/-in | Eduzy Productions |

| Hersteller/-in / Künstler/-in | Farmer Records |
| Gegenstand | Fotografie, Musikladen Rialto |
| Datierung | 1983 |
| Eigentümer/-in | Ernest Maeschi |
Genauso wie der Chessu sind Musikläden Treffpunkte der Jugend im Umfeld des AJZ. Dazu gehören das Rialto an der Gerbergasse oder das Lollipop.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Farmer Records / Chin-Chin |
| Gegenstand | Zeitung |
| Titel | Label-Zeitung Farmer Records |
| Datierung | 1984 |
| Eigentümer/-in | Ernest Maeschi |
Die Zeitung des Bieler Labels Farmer Records berichtet von den Dreharbeiten zum Musikvideo «We don’t wanna be prisoners» der Bieler Frauen-Punkband Chin Chin. Das Label wird in Büren an der Aare gegründet, bevor es nach Biel und später nach Zürich zieht. Der Name ist eine ironische Referenz an die ländliche Herkunft.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Jazzyrockers |
| Gegenstand | Bilddokumentation Breakdance-Training der Jazzyrockers |
| Datierung | 1985 |
| Eigentümer/-in | Eduzy Productions |
Die Jazzyrockers sind eine 1983 gegründete Breakdance-Truppe aus Biel. Das Training für die «Battles» absolvieren sie auf dem Teppich des elterlichen Wohnzimmers oder auf Kartons am Bieler Strandboden. Zu den nationalen und internationalen Wettbewerben fahren sie mit dem Minibus, der mit Graffitis dekoriert ist. Auf den Fotos zu erkennen sind Ken Sweed, Prince Dee, Sèyo sowie Eduzy.
Turnschuhe des Bieler Breakdance-Pioniers Eduzy.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | STAG / Sèyo / Jazzyrockers |
| Gegenstand | Boombox |
| Titel | Stag RR-1048 |
| Datierung | 1979 |
| Eigentümer/-in | Eduzy Productions |
Von Sèyo gestaltete Boombox zum Abspielen von Musik. Dank der Batterien kann man damit im Freien Musik hören. Das über sieben Kilogramm schwere Abspielgerät begleitet die Bieler Breakdance-Gruppe Jazzyrockers bei ihrem Training.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Sèyo / Rush 186 |
| Titel | Coupole reste |
| Datierung | 2022 |
| Material | Holz, Farbspray MTN 94, Lack, Molotow, Marker Molotow |
| Technik | Mischtechnik |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel |
Auftragswerk des Bieler Graffiti-Künstlers Sèyo für die Ausstellung «Biel und der Röstigraben». Sèyo verarbeitet in seinem Kunstwerk die Geschichte des Bieler AJZ. Darauf sind Vertreter und Vertreterinnen diverser Musikrichtungen wie Rockabilly, Reggae, Punk und Hip-Hop zu erkennen. Einzelne Figuren sind Hommagen an Menschen, die den Chessu stark geprägt haben. Die Frauenfigur über dem Chessu ist eine Wächterin, die von der kubanischen Figur der Friedhofswächterin inspiriert ist.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | AJZ Chessu / Soundcraft |
| Gegenstand | Mischpult |
| Titel | Soundcraft 200B, 24 Spuren |
| Datierung | 1970–1980 |
| Eigentümer/-in | Dänu Schneider |
Dieses Mischpult sorgt in den 70er- und 80er-Jahren für guten Sound während den Konzerten im Chessu.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Chin Chin / Creaholic SA / Supersense / Farmer Records / Froidevaux Guy |
| Gegenstand | Musikvideo |
| Titel | We don’t wanna be prisoners (Videoclip) / Band-Interview |
| Datierung | 1984 |
Chin Chin ist eine der einzigen Frauenbands in der frühen Punk- und New Wave-Szene der Schweiz. Sie ist zudem eine der wenigen Schweizer Bands, die damals auf internationale Resonanz stossen. Ihr Album «Sound Of The West Way» (1985) wird von Musikjournalisten in England besprochen. In der renommierten Musikzeitschrift New Musical Express (NME) erscheint ein Interview mit der Band. Es folgen Tourneen durch Europa als Supporting Act von damals bekannteren Bands wie The Pogues, The Anti-Nowhere League, TV Personalities, New Model Army oder Die Toten Hosen. 1987 erscheint eine Platte mit ein paar Songs von Chin Chin gar beim angesagten schottischen Label 53rd & 3rd. Dabei beginnt alles ganz klein in Biel, genauer im Chessu.
1984 dreht die Band ein Musikvideo, von denen es damals noch nicht viele gibt. Als Drehorte dienen der Chessu, die Gerbergasse sowie die Tiefgarageneinfahrt der Musikschule an der Neuengasse.
Setzen Sie die Kopfhörer auf, drücken Sie den Start-Knopf und tauchen Sie in die alternative Musikszene Biels Anfang der 1980er-Jahre ein. Dank der neuartigen Technologie des Vinyl-Videos sehen Sie dazu auch das Video.
| Titel | Portrait autonomer Jugendzentren in der Schweiz, Sendung Zone bleue RTS [Auszug, auf Französisch] |
| Datierung | 1980 |
| Eigentümer/-in | Archives RTS |
| Titel | Portrait Bieler Jugendkultur, Sendung Zebra Schweizer Fernsehen [Ausschnitt] |
| Datierung | 1993 |
| Eigentümer/-in | Dank an HJ Zumstein SRF |
| Titel | Breakdance in Biel: The Old School Veterans Jazzy Rockers, Supreme Rockers, Jam Power, Battle Rockers |
| Datierung | 1985 |
| Eigentümer/-in | Privatsammlung |
«La Coupole, c’est le cœur de Bienne / Dis Härz schlot set öber 50 Johr in dere Stadt»: c’est ainsi que la Coupole s’était adressée aux Biennoises et aux Biennois en 2021 afin de réunir des fonds pour de nouveaux travaux de transformation et d’agrandissement. L’histoire de cet espace incontournable de la vie culturelle biennoise logé dans l’ancienne usine à gaz de la ville est parallèle à l’évolution de la société. En effet, plusieurs générations de jeunes portent l’empreinte culturelle et politique de la Coupole.
Dans le sillage de la révolution culturelle de Mai 68, des jeunes avaient revendiqué un Centre Autonome de Jeunesse (CAJ). Ils souhaitaient un espace de liberté à remplir de leurs propres contenus, selon leurs propres règles. Au lieu de concerts symphoniques et d’opéras, cette jeunesse voulait une culture alternative, avec du théâtre de rue, de la danse, du folk et du punk. D’autres courants d’expression s’y ajoutèrent progressivement : reggae, dub, black music, free jazz, rap, hip-hop et breakdance.
Autogestion, autonomie – pas d’interventions policières à la Coupole – démocratie de base et anticapitalisme – pas de bénéfices, travail bénévole ou rémunérations identiques: inspirés de l’anarchisme, les principes du CAJ se heurtent souvent à de l’incompréhension auprès de la population, tout comme les écrits gaucho-révolutionnaires qui sortent de l’imprimerie interne «Commune Autonome». Les peintures multicolores et les graffitis qui parent la Coupole divisent également les esprits. Par rapport à d’autres villes suisses, Bienne se distingue pourtant par davantage de tolérance et une plus grande compréhension à l’égard des jeunes.
Au sein du CAJ, des problèmes et des crises surgissent aussi régulièrement. Cependant, c’est peut-être précisément pour cela que la Coupole est indissociable de Bienne – comme les institutions sociales qui en sont issues, la Cuisine populaire et le centre d’hébergement d’urgence « Sleep-In ». Le cœur du plus ancien centre autonome de jeunesse de Suisse battra sans doute encore longtemps.
| Producteur/productrice / artiste | CAJ Coupole / Imprimerie Commune autonome |
| Titre | Affiches de concerts et d’événements |
| Datation | 1968–2020 |
| Propriétaire | AJZ-Archiv, Infoladen Chat Noir, Noël Saugy, Netz Maeschi, Dänu Schneider, Sèyo, Eduzy, RosyOne |
Sélection d’affiches de concerts et de manifestations du CAJ Bienne.
| Titre | Portrait sur les centres autonomes en Suisse, Emission Zone bleue RTS [Extrait] |
| Datation | 1980 |
| Propriétaire | Archives RTS |
| Titre | Portrait sur les centres autonomes en Suisse, Emission Zebra Schweizer Fernsehen [Extrait, en allemand] |
| Datation | 1993 |
| Propriétaire | Merci à HJ Zumstein SRF |
| Titre | Breakdance à Bienne: The Old School Veterans Jazzy Rockers, Supreme Rockers, Jam Power, Battle Rockers |
| Datation | 1985 |
| Propriétaire | Collection privée |
| Producteur/productrice / artiste | CAJ Coupole |
| Objet | Journal / lettre |
| Titre | Concept d’un centre autonome de jeunesse à Bienne à l’attention du Conseil communal avec lettre d’accompagnement |
| Datation | 1968 |
| Propriétaire | Archives CAJ Bienne |
La jeunesse de Bienne s’était adressée au Conseil communal en fin d’année 1968 par le biais de cette brochure et de sa lettre d’accompagnement pour revendiquer un centre autonome de jeunesse. Des plans concrets de transformation de la chaudière de l’ancienne usine à gaz avaient été soumis à cet effet au gouvernement de la Ville de Bienne. Le langage employé était très politisé et radical: ces jeunes critiquaient vigoureusement l’État et le capitalisme, pleinement dans l’esprit du mouvement de 1968.
Au cours de la même année, des revendications similaires de la jeunesse ont donné lieu à de violents affrontements avec la police – comme à Paris (Mai parisien) et à Zurich (émeute du Globus). L’issue en fut plus paisible à Bienne: même si cela a pris un certain temps, c’est dans cette ville que fut créé le premier Centre Autonome de Jeunesse (CAJ).
| Producteur/productrice / artiste | CAJ Coupole / Imprimerie Commune autonome |
| Titre | Journal CAJ, No 1 (mars 1977) |
| Datation | 1977 |
| Propriétaire | Infokiosque Chat Noir, Marianne |

| Producteur/productrice / artiste | Calypso Now / Imprimerie Commune autonome |
| Objet | Cassettes musicales avec livret |
| Titre | Various – Stars On Cro2 |
| Datation | 1983–1984 |
| Propriétaire | Bibliothèque de la Ville Biel/Bienne |
Ces cassettes contiennent des extraits d’un concert avec des groupes biennois qui se déroula à la Coupole en 1983 (échantillons sonores sur la station de lecture disposée à côté). Le Festival de la musique à Bienne avait été organisé par la communauté d’intérêt des musiciens biennois. L’éditeur des cassettes était le label biennois Calypso Now, dirigé par le musicien Rudi Tüscher. Celui-ci est plus connu sous le nom de Hotcha.
Entre 1983 et 1988, Calypso Now a édité plus de 200 cassettes de groupes locaux ou internationaux. Grâce à son vaste réseau international, Hotcha a permis à des groupes biennois de trouver un public à l’étranger. À l’inverse, il a introduit à Bienne des cassettes des derniers courants musicaux internationaux. Elles faisaient notamment partie du fonds de la Bibliothèque de la Ville. À certaines périodes, Calypso now a compté parmi les labels de musique contemporaine les plus influents de Suisse. C’est la raison pour laquelle l’on surnommait ironiquement Hotcha le «pape de la cassette».
Produire des cassettes coûtait beaucoup moins cher que des disques vinyles. Pour les pochettes, Calypso now recourait fréquemment à des objets du quotidien et de rebut, comme par exemple le Manuel de défense civile envoyé à tous les ménages du pays. Certains groupes concevaient eux-mêmes les encarts qui accompagnaient les cassettes. L’imprimerie du CAJ, la Commune Autonome, en assurait l’impression.
| Producteur/productrice / artiste | AJZ Chessu / Soundcraft |
| Objet | Table de mixage |
| Titre | Soundcraft 200B, 24 pistes |
| Datation | 1970–1980 |
| Propriétaire | Dänu Schneider |
Dans les années 1970 et 1980, cette table de mixage assurait la qualité sonore des concerts de la Coupole.
| Producteur/productrice / artiste | Chin Chin / Creaholic SA / Supersense / Farmer Records / Froidevaux Guy |
| Objet | Vidéos musicale |
| Titre | We don’t wanna be prisoners (clip vidéo) / interview du groupe |
| Datation | 1984 |
Chin Chin était l’un des seuls groupes féminins des débuts de la scène punk et new wave en Suisse. A l’époque, c’était également l’un des rares groupes suisses à avoir rencontré un écho international. L’album «Sound Of The West Way» (1985) a été commenté par des journalistes spécialisés en Angleterre. Une interview du groupe a paru dans la célèbre revue musicale New Musical Express (NME). Des tournées européennes ont suivi, en première partie de groupes alors plus connus tels que The Pogues, The Anti-Nowhere League, TV Personalities, New Model Army ou Die Toten Hosen. Le label écossais réputé 53rd & 3rd a même produit en 1987 un disque contenant quelques chansons de Chin Chin.
Tout avait pourtant commencé très modestement à Bienne, plus précisément à la Coupole.
Un clip musical du groupe est sorti en 1984, lorsqu’il n’en existait pas encore beaucoup. Il avait été tourné à la Coupole, à la rue des Tanneurs et vers l’entrée du parking souterrain de l’école de musique de la rue Neuve.
Mettez les écouteurs, appuyez sur le bouton «Start» et immergez-vous dans la scène musicale alternative de Bienne du début des années 1980. Grâce à la nouvelle technologie de vidéo sur vinyle, vous pourrez voir les images en même temps.
| Producteur/productrice / artiste | Debils / CAJ Coupole / Imprimerie Commune autonome |
| Objet | Affiche |
| Titre | Affiche du concert «Bienne’s burning» |
| Datation | 1981 |
Le groupe punk Debils s’était produit en avant-scène d’une disco avec du reggae, du punk et de la new wave. Les orientations musicales attestent de l’influence culturelle de la scène musicale anglaise. L’événement avait été intitulé « Bienne’s burning », en référence directe à la célèbre chanson « London’s burning » du groupe The Clash, pionnier du punk britannique en 1977.
| Producteur/productrice / artiste | Chris Debils |
| Objet | Tenue de punk |
| Propriétaire | Noël Saugy |
La tenue du batteur du groupe biennois Debils incarne la culture punk. Celle-ci ne se limite pas à la musique, mais englobe tous les domaines de la vie. L’on coud ses vêtements soi-même pour des raisons financières, en s’inspirant de la scène punk britannique. Le badge avec un logo de l’organisation terroriste de gauche Fraction armée rouge (RAF Rote Armee Fraktion) est une provocation ouverte dans le but de mettre en question les valeurs politiques de la société majoritaire. À l’époque, on craignait à Bienne que des groupes armés tels que la RAF ou l’aile militaire du Front de libération du Jura ne puisse accéder au vaste dépôt d’armes de l’armée suisse dans cette ville.
| Producteur/productrice / artiste | Debils / Teva Music |
| Objet | Disque |
| Titre | Debils (33 tours) |
| Datation | 1981 |
| Propriétaire | Noël Saugy |
Les Debils étaient un groupe punk biennois de la première heure. Ses musiciens étaient issus du milieu ouvrier. Il s’agissait d’autodidactes aux revenus modestes comme travailleurs manuels, maçons, ramoneurs, vendeurs ou apprentis. Les coûts de production d’un 33 tours, qui s’élevaient à 7400 francs, étaient donc énormes pour eux. Sans ses liens personnels avec le studio d’enregistrement Teva Music de Bienne, le groupe n’aurait jamais pu se le permettre. Les ventes n’ont pas couvert les frais: le tirage n’était que de 500 exemplaires et la distribution s’avéra difficile. La tournée de concerts initialement prévue n’eut jamais lieu. La production d’un disque de musique punk correspondait ainsi surtout à la réalisation d’un coûteux rêve personnel.
Musicalement, les Debils se distinguaient des groupes punk zurichois et genevois par une musique moins dure. De plus, une femme chantait alternativement en français et en allemand.
Les Debils se sont produits régulièrement à Bienne et ont également donné quelques concerts dans d’autres localités de Suisse. Le groupe s’est dissout au bout d’à peine deux ans, après pas mal de changements dans la composition. Ephémère, mais intense: c’était souvent le cas pour les groupes de punk. Une consommation excessive de stupéfiants et des drames personnels faisaient également partie de la vie des groupes. Pleinement dans l’esprit de la devise du mouvement punk anglais: «no future – pas d’avenir!»
Vous pouvez écouter quelques morceaux des Debils sur la station de lecture disposée à côté. Vous y trouverez également un enregistrement du dernier concert donné par le groupe à la Coupole en 1982.
| Producteur/productrice / artiste | Farmer Records |
| Objet | Photographie du magasin de musique Rialto |
| Datation | 1983 |
| Propriétaire | Ernest Maeschi |
À l’instar de la Coupole, les magasins de musique sont des lieux de rencontre de la jeunesse qui fréquente la Coupole. Le magasin Rialto de la rue des Tanneurs ou le Lollipop en font partie.
| Producteur/productrice / artiste | Farmer Records / Chin-Chin |
| Objet | Journal |
| Titre | Journal du label Farmer Records |
| Datation | 1984 |
| Propriétaire | Ernest Maeschi |
Le journal du label biennois Farmer Records a consacré un article au tournage du clip «We don’t wanna be prisoners» du groupe punk féminin Chin Chin. Le label avait été créé à Büren an der Aare avant de s’établir à Bienne, puis à Zurich. Le nom est une référence ironique aux origines rurales.
| Producteur/productrice / artiste | Jazzyrockers |
| Objet | Documentation photographique de l’entraînement de break dance des Jazzyrockers |
| Datation | 1985 |
| Propriétaire | Eduzy Productions |
Les Jazzyrockers sont un groupe de break dance créé à Bienne en 1983. Ils s’entraînaient pour les « battles » sur le tapis du salon familial ou à la plage de Bienne, sur des cartons. C’est à bord d’un minibus couvert de graffitis qu’ils se rendaient aux compétitions nationales et internationales. Sur les photos, l’on peut reconnaître Ken Sweed, Prince Dee, Sèyo et Eduzy.
Chaussures de sport d’Eduzy, pionnier biennois du break dance.
| Producteur/productrice / artiste | STAG / Sèyo / Jazzyrockers |
| Objet | Radio-cassette |
| Titre | Stag RR-1048 |
| Datation | 1979 |
| Propriétaire | Eduzy Productions |
Boombox décoré par Sèyo pour écouter de la musique. Grâce aux piles, on pouvait écouter de la musique en plein air. Ce lecteur qui pèse plus de sept kilos accompagnait le groupe de break dance biennois Jazzyrockers lors des entraînements.
| Producteur/productrice / artiste | Sèyo / Rush 186 |
| Titre | Coupole reste |
| Datation | 2022 |
| Matière | Bois, spray de peinture MTN 94, peinture, Molotow, marqueur Molotow |
| Technique | Technique mixte |
| Propriétaire | NMB Nouveau Musée Bienne |
Œuvre de commande du graffeur biennois Sèyo pour l’exposition «Bienne et la barrière de rösti». Dans son œuvre, Sèyo a illustré l’histoire du CAJ de Bienne. L’on y reconnaît des représentantes et des représentants de divers courants musicaux comme le rockabilly, le reggae, le punk et le hip-hop. Certaines représentations rendent hommage à des personnes ayant fortement marqué la Coupole. Le personnage féminin qui flotte au-dessus de la Coupole est inspiré de la gardienne de cimetière de Cuba.