| Hersteller/-in / Künstler/-in | Enrique Muñoz García |
| Gegenstand | Video (7 Monitore) |
| Titel | Die Welt in Biel |
| Datierung | 2013–2020 |
| Eigentümer/-in | Enrique Muñoz García |
52 Interviews zu einer einzigen Frage:
Wieso sind Sie nach Biel gekommen?
In Biel/Bienne sind Menschen aus mehr als 160 Nationen zuhause. Dass derart viele Personen unterschiedlichster Herkunft in einer Stadt mit 54’000 Einwohnern leben, ist erstaunlich. Unsere These ist, dass in Biel proportional zu den Einwohnern im weltweiten Vergleich am meisten Nationalitäten vertreten sind. Das Projekt «Die Welt in Biel» gibt der Vielfalt Gesichter, vermenschlicht und individualisiert, indem statt kultureller Klischees die Individuen mit ihren eigenen Lebensgeschichten und einem einzigartigen Bezug zur Stadt gezeigt werden.
www.dieweltinbiel.ch
Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts lebt ein gewisser Hans Munschi [Müntschi] in Biel. Der Kannengiesser (Zinngiesser) stammt von ausserhalb von Biel und ist kein Stadtburger. Er integriert sich aber rasch: Er erhält das Bürgerrecht und wird 1595 Stubenmeister in der Zunft Waldleute. 1599 wird er in den «Kleinen Rath» gewählt. Mit Unterbrüchen bleibt er bis zu seinem Tod 1610 im höchsten Entscheidungsgremium der Stadt Biel.
Dieser bemerkenswerte Aufstieg ist nur mit einem gewissen Reichtum möglich: Wer in den «Kleinen Rath» gewählt werden will, muss auch genügend Geld besitzen. So kann er der Stadt einen vergoldeten Silberbecher schenken. Das können die allerwenigsten Zuzüger.
Die Anwesenheit von Jüdinnen und Juden in Biel ist seit dem Mittelalter durch Schriftquellen belegt. Ihr Wissen und ihre Arbeit sind gefragt, deshalb dürfen sie im christlichen Biel wohnen. Es ist ihnen erlaubt, ihre Religion und Traditionen zu pflegen. Dennoch sind sie auf das christliche Bürgertum angewiesen: Sie dürfen nur gewisse Berufe ausüben und müssen damit rechnen, jederzeit wieder aus der Stadt vertrieben zu werden. Auch in der Schweiz kommt es im Mittelalter immer wieder zu antijüdischen Aktionen oder gar Pogromen.
Die Berner Verfassung von 1846 garantiert allen Schweizerinnen und Schweizern dieselben Rechte. Schweizer Jüdinnen und Juden dürfen sich nun im Kanton dort niederlassen, wo sie wollen. Sie dürfen frei einen Beruf wählen und den eigenen Glauben ausleben. Auf Bundesebene fallen die jahrhundertalten, diskriminierenden Einschränkungen erst in den 1860er und 1870er Jahren. Antijüdische Ressentiments bleiben dennoch sehr verbreitet in der Gesellschaft. Diese führen unter anderem zum nationalen Schächtverbot von 1893. Damit wird den jüdischen Gläubigen verboten, nach ihrer Tradition Tiere zu schlachten.
Die jüdische Gemeinde in Biel wächst stark in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Gegen 1910 zählt sie 500 Mitglieder. Damit ist sie gemessen an der Stadtbevölkerung die zweitgrösste der Schweiz nach jener in La Chaux-de-Fonds. Gründe für die starke jüdische Zuwanderung sind die liberale bernische Verfassung sowie das starke Wachstum der Uhrenindustrie. Der jüdische Glauben und die damit verbundene Kultur wird zuerst noch in Privathäusern gepflegt. Ein «Beetsaal» wird 1858 an der Schüsspromenade 26-28 eingerichtet – in den Räumlichkeiten des heutigen NMB Neues Museum Biel. 1883 wird an der Rüschlistrasse eine Synagoge eröffnet.
Die allermeisten jüdischen Zuzügerinnen und Zuzüger stammen im 19. Jahrhundert aus Landsgemeinden im Elsass, also aus dem Westen. Im 20. Jahrhundert kommt es erneut zu einer verstärkten jüdischen Migration nach Biel. Nun kommen allerdings Jüdinnen und Juden aus dem östlichen Europa und dem Zarenreich, die zur Flucht gezwungen werden. Auch in der Schweiz stossen die sogenannten «Ostjuden» auf eine erstarkte antisemitische Welle. Zudem sind die Neuankömmlinge aus dem Osten arm, weshalb vielen von ihnen der Aufenthalt in Biel verwehrt wird. Die Judenverfolgung im Vorfeld und während des 2. Weltkrieges lässt die Bieler Gemeinde wieder anwachsen. In den Nachkriegsjahren sinken die Mitgliederzahlen wieder. Gründe dafür sind die Abwanderung in Städte mit grösseren jüdischen Gemeinden oder in den 1948 gegründeten Staat Israel. Auch Säkularisierung ist ein Grund dafür: Weil viele den jüdischen Glauben und die Traditionen aufgeben, verfügt die jüdische Gemeinde Biels heute nur noch über 50 Mitglieder.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Communauté Juive Bienne Jüdische Gemeinde Biel; W. Heidenheim Verlag |
| Gegenstand | Gedruckte Ausgabe der Tora |
| Datierung | 1818 |
| Eigentümer/-in | Jüdische Gemeinde Biel Bienne |
Das Buch enthält in französischer Sprache Angaben zur Eigentümerschaft: Mari Loeb Sohn von Moyse Avenches. Im jüdischen Glauben gibt es den Ritus, beim Tode persönliche Gebetsbücher mit ins Grab zu geben. Andere – wie dieses – werden innerhalb der Familie oder der Gemeinde weitergegeben. Dieses Tora kommt zum Einsatz im Beetsaal der jüdischen Gemeinde Biel, die sich bis zum Bau der Synagoge 1883 in den heutigen Räumlichkeiten des NMB Neues Museum Biel befindet.

| Gegenstand | Torawimpel |
| Titel | Torawimpel des Baruch bar Moshe schalit |
| Datierung | 1854 |
| Eigentümer/-in | Jüdische Gemeinde Biel Bienne |
Bei den Torawimpeln handelt es sich um Geburtsurkunden, die gleichzeitig eine religiöse Funktion haben. Auf ehemaligen Stoffwindel werden der Name und das Geburtsdatum eines Buben geschrieben und der Synagoge übergeben, die damit die verschiedenen Exemplare der Torarollen umwickelt. Beim Ritus der Bar Mizwa kommen die Torawimpel feierlich zum Einsatz. Mit 13 erhalten die Knaben die religiöse Reife und dürfen erstmals aus der Heiligen Schrift lesen. Nicht in allen jüdischen Gemeinden wird der Brauch der Torawimpel gleich und lange gepflegt. In der Bieler Synagoge sind Torawimpel bis in die 1920er Jahre hinterlegt. Es ist also davon auszugehen, dass danach der Brauch einging.

| Hersteller/-in / Künstler/-in | Charpentier Editeur |
| Gegenstand | Buch |
| Titel | Un siècle de modes féminines 1794–1894 |
| Datierung | 1900 |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel |
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Gassmann, Druckerei Biel W. |
| Gegenstand | Zeitung |
| Titel | Journal du Jura |
| Datierung | 27.11.1902 |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel |
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Albergo Savoia Palermo |
| Gegenstand | Aufkleber |
| Titel | Journal du Jura |
| Datierung | Um 1910 |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel |
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Charpentier Editeur |
| Gegenstand | Buch |
| Titel | Un siècle de modes féminines 1794–1894 |
| Datierung | 1900 |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel |
Seit Ende des 19. Jahrhunderts hört man in Biel immer mehr Italienisch. Das Baugewerbe wird seit damals von italienischsprachigen Arbeitern und Handwerker geprägt. Diese kommen zuerst aus dem Tessin, dann aus Nord- und später aus Süditalien. Der italienische Bevölkerungsanteil Biels wächst vor allem in der Nachkriegszeit. Die Schweizer Wirtschaft boomt und braucht insbesondere im Baugewerbe und in der Industrie viele Arbeitskräfte. Das Saisonnierstatut von 1934 bildet für die Rekrutierung italienischer Arbeiter besonders aus Apulien und Kalabrien einen vorteilhaften gesetzlichen Rahmen. Und es wirkt gegen die damaligen «Überfremdungsängste». Das Statut ermöglicht es Arbeitgebern, Arbeitsmigrantinnen und -migranten nur für neun Monate und ohne Vertragsverlängerung und Familiennachzug in die Schweiz zu holen. Auch viele Saisonniers sehen den Arbeitsaufenthalt in der Schweiz als eine vorübergehende Phase. Aus dem Provisorium wird jedoch für viele ein dauerhafter Zustand. Die Kinder wachsen (oft illegal) in der Schweiz auf und bleiben, da sie auch zum Herkunftsland der Eltern wenig Bezug haben. Dadurch wächst die italienischsprachige Bevölkerungsgruppe in Biel: Anfang der 1980er-Jahre sind es knapp 6’000 Personen. Damit sind Italienerinnen und Italiener die grösste ausländische Bevölkerungsgruppe. Sie machen über 60 Prozent der Ausländerinnen und Ausländer aus, bei einem Ausländeranteil von ca. 10 Prozent. Italienisch wird zur dritten Sprache Biels.
Die italienischsprachigen Bielerinnen und Bieler pflegen ihre eigene Sprache und Kultur in Vereinen wie der bereits 1892 gegründeten Blasmusik Filarmonica La Concordia. Diese gibt es noch heute. Später helfen weitere kulturelle, gewerkschaftliche sowie religiöse Institutionen, die italienische Kultur in Biel zu pflegen. Dazu gehören die Sociétà Dante Alighieri, der Missione Cattolica, die Colonie Libere Italiane, der Circolo Abbruzese oder der Fussballclub FC Azzurri. Italienische Küche und Musik stossen anfänglich bei der Bieler Bevölkerung auf Abwehr. Heute sind sie Teil des Bieler Alltags.
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Mondia |
| Gegenstand | Kaffeemaschine |
| Titel | Caffettiera |
| Datierung | Um 1960 |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel |
| Hersteller/-in / Künstler/-in | FC Azzurri Bienne |
| Gegenstand | Foto |
| Titel | Mannschaftsbild FC Azzurri Bienne |
| Datierung | 1963 |
| Eigentümer/-in | FC Azzurri Bienne |
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Filarmonica la Concordia |
| Gegenstand | Kopfbedeckung |
| Titel | Hut der Uniform der Filarmonica la Concordia |
| Datierung | Um 1980 |
| Eigentümer/-in | Celestino Quaranta |
| Hersteller/-in / Künstler/-in | FC Azzurri Bienne |
| Gegenstand | Wimpel |
| Datierung | Um 1980 |
| Eigentümer/-in | FC Azzurri Bienne |
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Modiano |
| Gegenstand | Spielkarten |
| Titel | Spielkarten für das Kartenspiel Scopa |
| Datierung | Um 2000 |
| Eigentümer/-in | Circolo Abbruzzese Bienne |
| Hersteller/-in / Künstler/-in | Gruppi Comunisti Rivoluzionari Quarta Internationale |
| Gegenstand | Heft / Broschüre |
| Titel | Crisi Disoccupazione [Arbeitslosigkeitskrise] |
| Datierung | 1974 |
| Eigentümer/-in | NMB Neues Museum Biel |
| Gegenstand | Siegelkapsel |
| Fundort | Studen-Petinesca, Keltenweg |
| Datierung | 85–90 n. Chr. |
| Material | Bronze |
| Eigentümer/-in | Archäologischer Dienst des Kantons Bern |
Vor den Toren der kleinen römischen Stadt Petinesca werden entlang der alten Römerstrasse im Gräberfeld 70 Bestattungen ausgegraben. Einige davon sind luxuriös, wie die Qualität und die Anzahl der Gegenstände zeigen, die den Verstorbenen oder die Verstorbene begleiten.
Indizien lassen vermuten, dass es sich bei einem dieser Gräber um das des Töpfers Macrinus handelt. Eine kleine bronzene Siegelkapsel deutet darauf hin, dass Macrinus ein freigelassener Sklave ist.
Eine Siegelkapsel schützt das Wachssiegel, mit dem ein Dokument versiegelt wird. Damit wird dessen Vertraulichkeit und Authentizität zusätzlich gewährleistet.
Das Band, mit dem das Dokument verknotet wird, schiebt man in die Dose und überzieht es mit flüssigem Wachs. Das Siegel wird dann durch Druck auf das Wachs erzeugt, zum Beispiel mithilfe eines Siegelrings. Die hier gezeigte Siegelkapsel versiegelte also möglicherweise den Freibrief des Macrinus, der später mit seiner angesehenen Werkstatt reich wurde.
| Gegenstand | Tasse, Töpferei des Macrinus |
| Fundort | Studen-Petinesca, Keltenweg |
| Datierung | 100–105 n. Chr. |
| Material | Gebrannter Ton |
| Eigentümer/-in | Archäologischer Dienst des Kantons Bern |
Diese Tasse hat eine einzigartige Form, die man nur aus Petinesca kennt: Sie stellt eine lokale Besonderheit dar. Solche Tassen werden unter anderem in der Werkstatt des Macrinus hergestellt: das verrät der Stempel, also die lesbare Signatur in der Mitte der Tasse.
| Gegenstand | Teller, Töpferei des Macrinus |
| Fundort | Studen-Petinesca, Keltenweg |
| Datierung | 100–105 n. Chr. |
| Material | Gebrannter Ton |
| Eigentümer/-in | Archäologischer Dienst des Kantons Bern |
Die besonders reichen Gräber in Studen-Petinesca enthalten mehrere Teller und Tassen. Einige Keramikformen scheinen speziell für das Totenbankett hergestellt zu sein, das die Beerdigung begleitet.
| Gegenstand | Tassen, Töpferei des Macrinus |
| Fundort | Studen-Petinesca, Keltenweg |
| Datierung | 90–105 n. Chr. |
| Material | Gebrannter Ton |
| Eigentümer/-in | Archäologischer Dienst des Kantons Bern |
Diese Tassen stammen aus verschiedenen Gräbern. Produziert werden sie in der Töpferei des Macrinus. Die verwaschenen Orange-Farbtöne deuten darauf hin, dass es sich um Imitationen von Sigillata-Keramik handelt. Echte Sigillata-Keramik mit einer glänzenden rot-orangefarbenen Beschichtung wird damals in den grossen Zentren wie La Graufesenque in Südfrankreich hergestellt.
| [Wurzeln] | Biel |
| [Name] | Anonym |
| [Objekte] | Einkaufszettel Tickets Filmpodium Biel/Bienne, Zauberlaterne Biel Wahlunterlagen vom 25. September 2022 auf Deutsch und Französisch Dorothee Zürcher-Maass «Värsli», 2016 Germano Zullo & Albertine «Marta et la bicyclette», 2015 Hergé «Les aventures de Tintin. L’affaire tournesol» Georges Perec «La vie mode d’emploi», 2010 Wolf Haas «Das Wetter vor 15 Jahren», 2015 Jasskarten Zeitungen: Journal du Jura, Bieler Tagblatt, NZZ |
| [Wurzeln] | Kurdische Kultur |
| [Name] | Anonym |
| [Objekte] | Cap «Kurdischer FC Solothurn» Buch von Gurbetelli Ersöz: «Bîranînên Gurbetê. Ez nabim jina ti keksî», 1999 Souvenir mit Stadtmauer aus Diyarbakır Traditioneller Schal in den Farben der kurdischen Flagge Kurdische Kette Weisses Tuch mit Spitzenbordüre Tuch der kurdischen Tracht Buch von Abdullah Öcalan: «Demokratischer Konföderalismus», 2012 Gestrickte Finken Gestrickte Handschuhe in den Farben der kurdischen Flagge |

| Producteur/productrice / artiste | Enrique Muñoz García |
| Objet | Vidéo (7 écrans) |
| Titre | Le monde à Bienne |
| Datation | 2013–2020 |
| Propriétaire | Enrique Muñoz García |
52 entretiens basés sur une seule question:
Pourquoi êtes-vous venu à Bienne?
Des gens venant de plus de 150 pays différents sont chez eux à Bienne. Le fait qu’autant de personnes d’origines différentes vivent dans une ville de 54’000 habitants est extraordinaire. Notre thèse soutient que, proportionnellement au nombre d’habitants, Bienne compte le plus de nationalités différentes en comparaison avec le reste du monde. Le projet «Le Monde à Bienne» donne des visages à cette diversité, humanise et individualise, car, plutôt que des stéréotypes culturels, ce sont les personnes et leur histoire de vie propre ainsi que leur rapport singulier à la ville qui sont représentés.
www.lemondeabienne.ch
Un certain Hans Munschi [Müntschi] vivait à Bienne à la fin du 16e et au début du 17e siècle. Originaire des environs de Bienne, ce fondeur d’étain n’était pas un bourgeois de la ville. Il s’intégra cependant rapidement: le droit de cité lui fut accordé et en 1595, il devint responsable (Stubenmeister) de la corporation Waldleute et fut élu au «Petit Conseil» en 1599. Hormis quelques interruptions, il resta dans le plus haut organe décisionnel de la ville de Bienne jusqu’à sa mort, en 1610.
Une ascension si remarquable eut été impossible sans une certaine fortune: pour se faire élire au «Petit Conseil», il fallait posséder suffisamment d’argent. C’est ainsi qu’il fut en mesure d’offrir un gobelet plaqué or à la ville. Très peu de nouveaux arrivants avaient cette possibilité.
Des sources écrites attestent de la présence de personnes de confession juive à Bienne dès le Moyen Âge. Leurs connaissances et leur travail étant demandés, elles obtenaient le droit de s’établir à Bienne. Elles pouvaient pratiquer librement leur religion et leurs traditions, mais devaient se soumettre aux règles imposées par la bourgeoisie chrétienne: seules quelques professions leur étaient autorisées et elles risquaient d’être chassées de la ville à tout moment. Au Moyen Âge, des actions antisémites, voire des pogroms, survenaient en effet régulièrement même en Suisse.
La Constitution bernoise de 1846 a garanti les mêmes droits à toutes et tous les citoyens suisses. Dès lors, les personnes de nationalité suisse et de confession juive pouvaient s’établir dans le canton de leur choix. Elles pouvaient également exercer toutes les professions et vivre selon leurs croyances. Au niveau fédéral, les restrictions discriminatoires qui leur avaient été imposées pendant des siècles ne furent cependant totalement abolies que dans les années 1860 et 1870. Les ressentiments antijuifs restaient néanmoins largement répandus dans la société. Ceux-ci furent notamment à l’origine de l’interdiction de l’abattage rituel introduite en 1893 dans toute la Suisse. Les personnes de confession juive ne pouvaient plus abattre les animaux selon leurs traditions.
Au cours de la seconde moitié du 19e siècle, la communauté juive a fortement augmenté à Bienne. Elle comptait 500 membres en 1910. Par rapport au nombre d’habitants, c’était la deuxième plus importante de Suisse après celle de La Chaux-de-Fonds. Un tel afflux de personnes de confession juive s’explique par la Constitution bernoise libérale ainsi que par la forte croissance de l’industrie horlogère. Initialement, le culte juif et les rituels qui lui sont associés se célébraient encore dans des maisons privées. En 1858, une «salle de prières» fut aménagée aux 26-28 de la Promenade de la Suze, dans les locaux de l’actuel Nouveau Musée Bienne (NMB). Une synagogue ne fut inaugurée qu’en 1883 à la rue du Rüschli.
Au 19e siècle, la plupart des nouveaux arrivants venaient de communautés rurales d’Alsace, c’est-à-dire de l’Ouest. Une nouvelle vague de migration juive vers Bienne est intervenue au 20e siècle, mais il s’agissait alors de personnes en provenance d’Europe de l’Est et de l’empire tsariste qui avaient été contraintes à l’exil. En Suisse, ceux qui l’on appela les «Juifs de l’Est» se heurtèrent également à un antisémitisme accru. De plus, ces personnes étaient pauvres, si bien que nombre d’entre elles ne furent pas autorisées à séjourner à Bienne. La communauté juive de Bienne a connu un nouvel accroissement en raison des persécutions avant et pendant la Seconde Guerre mondiale. Dans les années d’après-guerre, le nombre de ses membres a de nouveau baissé en raison de départs vers des villes ayant des communautés juives plus importantes ou vers l’État d’Israël, fondé en 1948. La sécularisation a également joué un rôle : de nombreuses personnes ayant renoncé à la foi et aux traditions juives, la communauté juive de Bienne ne compte plus aujourd’hui que 50 membres.
| Producteur/productrice / artiste | Communauté Juive de Bienne. Edition W. Heidenheim |
| Objet | Exemplaire imprimé de la Torah |
| Datation | 1818 |
| Propriétaire | Communauté juive Biel-Bienne |
Le livre contient des informations en français sur le propriétaire: Mari Loeb Sohn von Moyse Avenches. Dans la religion juive, au moment de la mort, il existe un rite qui consiste à emporter ses livres de prière dans la tombe. Certains – comme celui-ci – sont parfois cédé à un membre de la famille ou de la communauté. Ce livre était utilisé dans la salle de prière de la communauté juive de Bienne située, jusqu’à l’ouverture de la synagogue en 1883, dans les locaux de l’actuel NMB Nouveau Musée Bienne.

| Objet | Mappa |
| Titre | Mappa de Baruch bar Moshe schalit |
| Datation | 1854 |
| Propriétaire | Communauté juive Biel-Bienne |
La mappa, bande de tissu pour attacher et maintnir fermé le rouleau de Thora, fait office d’acte de naissance mais remplit également une fonction religieuse. Sur cet ancien morceau de tissu sont inscrits le nom ainsi que la date de naissance d’un garçon. Le tissu a ensuite été remis à la synagogue qui s’est chargée d’enrouler les différents rouleaux de la Torah. À l’occasion de la cérémonie de la bar-mitzvah, les mappa sont utilisés de manière solennelle. À l’âge de 13 ans, les garçons obtiennent la maturité religieuse et reçoive ainsi le droit de lire les écritures saintes. Les soins apportés aux mappas ainsi que la durée de leur conservation divergent selon les communautés. Des mappas ont été déposées à la synagogue de Bienne jusque dans les années 1920. On peut donc supposer que la coutume s’est éteinte après cette date.

| Producteur/productrice / artiste | Charpentier Editeur |
| Objet | Livre |
| Titre | Un siècle de modes féminines 1794–1894 |
| Datation | 1900 |
| Propriétaire | NMB Nouveau Musée Bienne |
| Producteur/productrice / artiste | Imprimerie W. Gassmann, Bienne |
| Objet | Journal |
| Titre | Journal du Jura |
| Datation | 27.11.1902 |
| Propriétaire | NMB Nouveau Musée Bienne |
| Producteur/productrice / artiste | Albergo Savoia Palermo |
| Objet | Autocollant |
| Datation | Vers 1910 |
| Propriétaire | NMB Nouveau Musée Bienne |
| Producteur/productrice / artiste | Bossange Père, Librairie; Dufour et Cie, Librairies |
| Objet | Livre |
| Titre | Mémoires de Napoléon, Tome IX. |
| Datation | 1830 |
| Propriétaire | NMB Nouveau Musée Bienne |
Vers la fin du 19e siècle, l’on parle de plus en plus l’italien à Bienne. Depuis cette époque, les travailleurs et artisans italophones occupent en effet une place très importante dans le secteur du bâtiment. Ces personnes venaient d’abord du Tessin, puis du nord et plus tard du sud de l’Italie. La population italienne établie à Bienne a surtout augmenté dans les années d’après-guerre. L’économie suisse était alors en plein boom et avait besoin de beaucoup de main-d’œuvre, surtout dans le bâtiment et dans l’industrie.
Introduit en 1934, le statut de saisonnier constituait un cadre légal avantageux, surtout pour le recrutement de travailleurs italiens en provenance des Pouilles et de Calabre. Il était un moyen de lutter contre la peur d’une surpopulation étrangère de l’époque, en permettant aux employeurs d’occuper la main-d’œuvre pendant neuf mois, sans possibilité de prolongation du permis ni d’un regroupement familial en Suisse. De nombreux saisonniers considéraient eux aussi leur travail en Suisse comme une phase transitoire. Cependant, le provisoire est devenu définitif pour beaucoup d’entre eux. Des enfants ont grandi en Suisse, souvent illégalement, et y sont restés par la suite, n’ayant plus guère de liens avec le pays d’origine de leurs parents. La population italophone a ainsi fortement augmenté à Bienne: au début des années 1980, elle était composée d’environ 6000 personnes. Les Italiennes et les Italiens constituent de ce fait le principal groupe de population étrangère, à savoir plus de 60% d’un total d’env. 10% de résidents étrangers. L’italien est également la troisième langue la plus parlée à Bienne.
Les personnes italophones établies ici entretiennent leur langue et leur culture au sein d’associations, comme par exemple la fanfare Filarmonica La Concordia dont la création remonte à 1892 et qui existe aujourd’hui encore. Par la suite, d’autres institutions culturelles, syndicales et religieuses ont permis d’entretenir la culture italienne à Bienne. Il s’agit notamment de la Sociétà Dante Alighieri, de la Missione Cattolica, de la Colonie Libere Italiane, du Circolo Abbruzese ou du club de football FC Azzurri. Initialement, la population locale s’était montrée plutôt hostile à la cuisine et la musique italienne, alors qu’aujourd’hui, elles font partie de la vie quotidienne biennoise.
| Producteur/productrice / artiste | Mondia |
| Objet | Machine à café |
| Titre | Caffettiera [cafetière] |
| Datation | Vers 1960 |
| Propriétaire | NMB Nouveau Musée de Bienne |
| Producteur/productrice / artiste | FC Azzurri Bienne |
| Objet | Photographie |
| Titre | Photo d’équipe FC Azzurri Bienne |
| Datation | 1963 |
| Propriétaire | FC Azzurri Bienne |
| Producteur/productrice / artiste | Orchestre philharmonique la Concordia |
| Objet | Couvre-chef |
| Titre | Chapeau de l’uniforme de l’orchestre philharmonique la Concordia |
| Datation | Vers 1980 |
| Propriétaire | Celestino Quaranta |
| Producteur/productrice / artiste | FC Azzurri Bienne |
| Objet | Fanion |
| Datation | Vers 1980 |
| Propriétaire | FC Azzurri Bienne |
| Producteur/productrice / artiste | Modiano |
| Objet | Jeu de carte |
| Titre | Jeu de carte pour jouer à Scopa |
| Datation | Vers 2000 |
| Propriétaire | Circolo Abbruzzese Bienne |
| Producteur/productrice / artiste | Gruppi Comunisti Rivoluzionari Quarta Internationale |
| Objet | Cahier / brochure |
| Titre | Crisi Disoccupazione |
| Datation | 1974 |
| Propriétaire | NMB Nouveau Musée Bienne |
| Objet | Boîte à sceau |
| Lieu de découverte | Studen-Petinesca, Keltenweg |
| Datation | 85-90 ap. J.-C. |
| Matière | Bronze |
| Propriétaire | Service archéologique du canton de Berne |
Aux portes de la petite cité romaine de Petinesca, 70 tombes ont été mises au jour dans la nécropole qui longeait l’ancienne voie romaine. Certaines sont luxueuses, comme le révèlent la qualité et le nombre d’objets qui accompagnaient la défunte ou le défunt.
Un faisceau d’indices permet de supposer que l’une d’entre elles était celle du potier Macrinus. Une petite boîte à sceau en bronze indiquerait que ce Macrinus était un esclave affranchi.
La boîte protège un cachet de cire qui scelle un document afin d’en garantir la confidentialité et l’authenticité.
Le ruban noué autour du document est glissé dans la boîte puis recouvert de cire liquide. Le sceau est alors apposé par pression sur la cire, à l’aide d’une bague sigillaire par exemple. La boîte à sceau présentée ici a peut-être scellé l’acte d’affranchissement de Macrinus, lequel a ensuite fait fortune grâce à son atelier.
| Objet | Tasse, Atelier de Macrinus |
| Lieu de découverte | Studen-Petinesca, Keltenweg |
| Datation | 100-105 ap. J.-C. |
| Matière | Terre cuite |
| Propriétaire | Service archéologique du canton de Berne |
Cette tasse présente une forme unique qui n’est connue qu’à Petinesca: elle constitue une particularité locale. De telles tasses étaient notamment produites dans l’atelier de Macrinus, comme le révèle l’estampille, c’est-à-dire la signature lisible au milieu de la tasse.
| Objet | Assiette, Atelier de Macrinus |
| Lieu de découverte | Studen-Petinesca, Keltenweg |
| Datation | 100-105 ap. J.-C. |
| Matière | Terre cuite |
| Propriétaire | Service archéologique du canton de Berne |
Les sépultures particulièrement riches du site de Petinesca à Studen contenaient plusieurs assiettes et tasses. Certaines formes de céramique semblent avoir été produites spécialement pour le banquet funéraire qui accompagnait les funérailles.
| Objet | Tasses, Atelier de Macrinus |
| Lieu de découverte | Studen-Petinesca, Keltenweg |
| Datation | 90-105 ap. J.-C. |
| Matière | Terre cuite |
| Propriétaire | Service archéologique du canton de Berne |
Ces tasses proviennent de différentes tombes, mais furent toutes produites par l’atelier de Macrinus. L’aspect orange délavé indique qu’elles sont des imitations de céramiques sigillées. La véritable céramique sigillée, au revêtement rouge-orange brillant, était produite quant à elle dans les grands centres officiels comme celui de La Graufesenque, dans le sud de la France.
| [Racines] | Bienne |
| [Nom] | Anonyme |
| [Objets] | Liste de courses Billets Filmpodium Biel/Bienne, La lanterne magique Bienne Documents électoraux du 25 septembre 2022 en français et en allemand Dorothee Zürcher-Maass «Värsli», 2016 Germano Zullo & Albertine «Marta et la bicyclette», 2015 Hergé «Les aventures de Tintin. L’affaire tournesol» Georges Perec «La vie mode d’emploi», 2010 Wolf Haas «Das Wetter vor 15 Jahren», 2015 Cartes de jass Journeaux: Journal du Jura, Bieler Tagblatt, NZZ |
| [Racines] | Kurdische Kultur |
| [Nom] | Anonyme |
| [Objets] | Cap «Kurdischer FC Solothurn» Livre de Gurbetelli Ersöz: «Bîranînên Gurbetê. Ez nabim jina ti keksî», 1999 Souvenir mit Stadtmauer aus Diyarbakır Foulard traditionnel aux couleurs du drapeau kurde Collier kurde Foulard blanc avec bordure en dentelle Foulard du costume traditionnel kurde Livre de Abdullah Öcalan: «Demokratischer Konföderalismus», 2012 Pantoufles en tricot Gants en tricot aux couleurs du drapeau kurde |
